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Rezensionen - Kritiken und Kommentare zu Neuerscheinungen

Sortiert nach dem Erscheinungsdatum

 


 

11. April 2018

Über eine deutsche Erfolgsgeschichte

Rezension: Magnus Brechtken, Albert Speer. Eine deutsche Karriere. München 2017, 910 S., ISBN 978-3-8275-0040-3

Biographien, die Nachkriegskarrieren von NS-Tätern und Täterinnnen ins Blickfeld nehmen, sind in den letzten zwei Dekaden einige erschienen. Die juristische Zeitgeschichtsforschung hat Wege der gesellschaftlichen (Re-)Integration nachgezeichnet und Exkulpationsstrategien herausgearbeitet. Gleiches gilt für Versuche der ehemaligen Funktionseliten des „Dritten Reiches“, das Geschichtsbild zu beeinflussen. Zu den personellen Kontinuitätslinien in Verwaltung, Politik, Judikative, Wissenschaft und anderen gesellschaftlichen Bereichen liegen inzwischen zahlreiche Studien vor. Albert Speer (1905–1981), Hitlers Stararchitekt und Rüstungsminister, war Protagonist mehrerer biographischer Arbeiten und Einzeluntersuchungen. Magnus Brechtken, stellvertretender Direktor des Instituts für Zeitgeschichte (München), hat nun eine weitere Lebensdarstellung des Rüstungsmanagers vorgelegt. 

Von Christian Ritz


Rezension


01. April 2018

Meilenstein neuer Wege im Strafvollzug

Der Fritz Bauer Studienpreis für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte für Nachwuchsjuristen wurde 2017 vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz an Dr. Christoph Wilhelm Thiele von der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Greifswald für seine Promotionsarbeit verliehen: Christoph Thiele, Ehe- und Familienschutz im Strafvollzug. Mönchengladbach: Forum Verlag Godesberg, 2016, 346 S. (Schriften zum Strafvollzug, Jugendstrafrecht und zur Kriminologie, Bd. 58)

Thomas Galli, als ehemaliger Leiter von Strafvollzugsanstalten Experte mit jahrelanger Praxiserfahrung, bezeichnet Christioph Thieles Studie über Ehe- und Familienschutz im Strafvollzug als Meilenstein, an dem keiner vorbeikommt, der sich mit dem Themenkreis beschäftigt.
 

Rezension


22. März 2018

Zeugnisse aus einer totalen Institution

Das St. Johannes-Stift in Marsberg, das 1881 als „Idiotenanstalt“ für „blödsinnig geborene“ und „geistig erkrankte“ Kinder gegründet wurde, ist in den vergangenen Jahren verstärkt in den öffentlichen Fokus gerückt. Dies ist insbesondere den Opfern zu verdanken, die das an ihnen begangene Unrecht publik gemacht haben. Bereits 1987 hatte Paul Brune (1935-2015), der 1943 nach Marsberg gebracht wurde, in der Fernsehsendung „Mittwochs in Marsberg“ von seinen ungeheuerlichen Erlebnissen berichtet und das St. Johannes-Stift als ein „kleines Auschwitz“ bezeichnet.

In dem Buch Psychiatrie- und Gewalterfahrungen von Kindern und Jugendlichen im St. Johannes-Stift in Marsberg (1945-1980) werden die Ergebnisse eines Forschungsprojektes des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), des damaligen und heutigen Trägers der Anstalt festgehalten.

Von Stefan Schuster
 

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