Präventives Handeln vermisse ich in der Politik total

Antje Grothus

Antje Grothus

Präventives Handeln vermisse ich in der Politik total


Die Klimaaktivistin und Koordinatorin für Kohlepolitik NRW bei der Klima Allianz im Interview von Daniela Collette


Antje Grothus ist eine in Deutschland bekannte Klimaaktivistin. Für die Bürgerinitiativen war sie Mitglied der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung (kurz „Kohlekommission“) und ist Koordinatorin für Kohlepolitik NRW bei der Klima-Allianz Deutschland.

Das Interview wurde auf den Eingangsstufen der entweihten Kirche in Kerpen-Manheim geführt. Manheim ist mittlerweile nahezu verlassen und eines der Dörfer, die nach dem Willen von RWE noch im Tagebau Hambach verschwinden soll. Während des Interviews fuhren nahezu im Minutentakt Polizei und auch Werkschutz des RWE im Schritttempo an uns vorbei. Welche Bedrohung doch zwei Frauen auf einer Kirchentreppe sitzend darstellen können… Im Laufe des Interviews kam ein Anwohner eines benachbarten Dorfes vorbei und beteiligte sich spontan, was nochmals viele interessante Details und Einblicke erbrachte. Dem unbekannten Mann sei an dieser Stelle gedankt.

Mittlerweile scheint der Hambacher Wald nach öffentlicher Darstellungen gerettet. Schaut man sich die Pläne des RWE für den Hambacher Tagebau an, so wird schnell klar: Auch wenn RWE dort keinen Baum mehr fällt, so wird dem Wald weiter das Wasser abgegraben, was den Tod der meisten Bäume und somit des Waldes bedeutet. Auch soll nach Willen des RWE und der Landesregierung NRW an den Plänen, die Dörfer im Hambacher und Garzweiler Tagebaugebiet wie vorgesehen abzubaggern, festgehalten werden - trotz Klimawandel und beschlossenem Kohleausstieg! Der Kampf der Menschen sowohl um Wald als auch um die Dörfer geht weiter. 

Das Interview mit der Klimaaktivistin Antje Grothus schildert den Kampf der Menschen im rheinischen Braunkohlerevier. 



DC: Hallo Antje, vielen Dank für das Interview. 

Du bist im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen, und Du kommst aus einer Bergarbeiterfamilie. Hat Dich das für Deinen Kampf gegen die Kohleindustrie geprägt?

AG: Ich bin in Bochum geboren und in Wanne-Eickel aufgewachsen. Da habe ich die ersten zehn Jahre meines Lebens verbracht, also noch mehr tiefstes Ruhrgebiet. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich in einer Bergarbeiterfamilie aufgewachsen bin. Aber mein Opa hat in der Tat bei der Kohleforschung gearbeitet. Und ich habe auch einen Cousin, der Steiger war. Also von daher besteht natürlich eine Affinität. Der Steinkohlebergbau gehört im Ruhrgebiet einfach dazu und ich habe das viele Jahre miterlebt. Ob mich das geprägt hat, weiß ich nicht. Als ich dann hierhin zog und sich das mit dem Braunkohletagebau Hambach so entwickelt hat und ich dort aktiv wurde, habe ich gedacht: irgendwie ist das so ein bisschen wie back to the roots. Man ist in so einer Region mit Steinkohle groß geworden, aber da war ich ein Kind und habe das nicht unter Umweltaspekten wahrgenommen. Das Ruhrgebiet war dann eher so ein kultureller Schmelztiegel, weil wir auch viele Gastarbeiter zu uns geholt haben, die auch unter Tage gearbeitet haben. Aber ich finde auch, und ich möchte jetzt nicht despektierlich klingen gegenüber Bergbaubeschäftigten hier im Braunkohlebereich, man kann die Arbeit unter Tage nicht mit der Arbeit vergleichen, die die Bergleute hier im Tagebau machen. Da sitzt man auf Großgeräten, drückt Knöpfchen, bedient Förderbänder. Die Unter-Tage-Arbeit von den Menschen, die in der Steinkohle gearbeitet haben, das war eine ganz andere, eine  körperliche Arbeit. Ich bin auch schon mal eingefahren, wenn man das einmal erlebt hat, die Enge, die Dunkelheit, die Teufen, die Temperaturen, die Wetter, diese Winde, die da herrschen, unter unglaublich körperlich anstrengenden Bedingungen wurde die Kohle abgebaut. Das ist etwas ganz anderes als hier die Großtagebauer. Für mich ist die echte Bergmannstradition die Untertage-Steinkohle-Bergbautradition. 

DC: Und seit 1994 lebst du in Kerpen Buir, das ist richtig?

AG: Das stimmt.

DC: Wie kam es dazu?

AG: Ich habe in Bonn studiert, dann war ich in Regensburg, hab da ein paar Jahre gelebt, da sind meine großen Töchter geboren. Wir sind wegen beruflicher Veränderungen meines Mannes ins Rheinland gegangen, und haben dann einen schönen Ort gesucht, wo man mit zwei kleinen Kindern schön leben kann, gut angebunden mit der S-Bahn, intaktes ländliches Umfeld, Kindergarten, Grundschule im Dorf, viele Vereine, intakte Vereinsstruktur. Und da sind wir auf Buir gekommen. Da wir aus Regensburg zugezogen sind, wussten wir gar nicht, was eigentlich auf uns zukommt und dass eigentlich die Bagger auf Buir zubaggern. Das war uns lange nicht bewusst und ich habe das das erste Mal gemerkt, als ich mit dem Fahrrad im Hambacher Wald unterwegs war, die Kinder noch im Fahrradanhänger, und zum Schwimmbad nach Elsdorf fahren wollte, ins Freibad. Irgendwann merkte ich, oh, was passiert jetzt eigentlich hier? Da verschwinden Dörfer, da entsteht ein Riesenloch. Da ist mir erst bewusst geworden, was auf Buir zukommt, ich bin da aber immer noch nicht aktiv geworden. 

DC: Seit wann engagierst du dich? Was hat dann dazu geführt?

AG: Aktiv geworden bin ich erst, als die Pläne zur tagebaubedingten Verlegung der Autobahn A4, die an unseren unmittelbaren Ortsrand verlegt werden sollte, offengelegt wurden. Ich glaube das war 2004. Da haben wir gesagt, naja okay, die Autobahn wird verlegt, dann wird RWE ja wohl dafür sorgen, dass wir einen guten Lärmschutz bekommen. Schon damals haben wir gesagt, eigentlich muss die alte Autobahn bleiben, weil der Kohleabbau wahrscheinlich wegen des Klimaschutzes nicht mehr so weit vorangetrieben werden kann. 

Dann sind wir aktiv geworden, haben Einwendungen geschrieben, alles, was man so im demokratischen Rahmen machen kann. Und wir haben erlebt, wie wir bei einer Anhörung mit diesen Einwendungen vorgeführt wurden. Da war die Phalanx aus Bezirksregierung, mit RWE, mit dem Landesbetrieb Straßen und dem Bergamt als Front auf der einen Seite und wir Bürger auf der anderen. Wir wurden viel zurechtgewiesen, es hieß, wir dürfen unseren Namen nicht sagen, sondern wegen des Datenschutzes nur die Einwendungsnummer, wenn wir ans Mikrofon treten. Aber RWE hatte die ganze Liste mit den Namen, den Einwendungen und den Nummern vorliegen, haben wir zufällig rausgefunden. Von wegen Datenschutz! Das sind eigentlich die Dinge gewesen, über die wir uns empört haben. Dann haben wir nach und nach gemerkt, dass RWE hier wie eine Krake überall ihre Tentakel hat, sowohl in kirchlichen Strukturen, als auch bis hin in die kommunalen Strukturen, sogar bis hin zur Landesregierung. Und da haben Menschen beispielsweise, als es darum ging, klagt man jetzt als Stadt Kerpen gegen die Autobahn A4, abgestimmt, die hatten ihre E-Mail-Adresse im Stadtrat mit Vorname.Nachname@RWE.com angegeben. Man hat das gar nicht verschleiert. Da sieht man, wie Interessenpolitik gemacht wird, und dass wir hier ein strukturelles Problem in der Region haben, weil alles von RWE dominiert ist, auch die Kommunen. Und ich habe auch den Eindruck, dass sich selbst jetzt die Kommunen nicht so richtig emanzipieren wollen von dem Kohlekonzern RWE.

DC: Und die Sportvereine wahrscheinlich auch?

AG: Genau, die Vereine werden gesponsert, RWE tritt als großer Kultursponsor auf, man kann kaum auf eine Veranstaltung gehen, weil alles von RWE gesponsert ist oder war. Es gibt ein tolles Buch, das heißt Die Grube von Ingrid Bachér (Dittrich Verlag, Berlin 2011, d. Red.). Sie beschreibt diese Strukturen, die in den Vereinen geschaffen wurde, als Abhängigkeit durch Zuwendung. Die Vereine freuen sich, wenn sie Geld bekommen, für eine Flutlichtanlage der Fußballverein, für eine neue Schießanlage der Schützenverein. Und natürlich werden sie sich dann auch nicht kritisch äußern. 

DC: 2007 habt Ihr die Initiative „Buirer für Buir“ gegründet?

AG: Genau.

DC: Was macht Ihr? Was für Aktionen führt Ihr durch?

AG: Wir haben damals, als es darum ging „Wir gegen die Autobahn“, einen Verein gegründet. Ein Verein kann nicht klagen, aber ein Verein kann zum Beispiel Gutachten in Auftrag geben. Und dann haben wir viele öffentliche Veranstaltungen gemacht, kultureller Art, große Konzerte, wo wir Geld gesammelt haben. In unserer Satzung ist auch nachzulesen, dass wir uns für die Lebensqualität in unserem Dorf einsetzen. Es ist uns ganz wichtig, uns für (!) etwas einzusetzen, für den Erhalt der Lebensqualität, die massiv bedroht durch Autobahnverlegung und näher rückenden Tagebau ist, aber auch für die Förderung des kulturellen Lebens. Das haben wir miteinander verbunden, da konnten wir viele Menschen erreichen. Wir haben wirklich sehr, sehr viel Geld in die Hand genommen und Gutachten in Auftrag gegeben, die wir dann den Menschen, die gegen die Autobahnverlegung geklagt haben, zur Verfügung gestellt haben. Natürlich ist es wichtig, gerade hier in der Region, wo es eine sehr, sehr einseitige Berichterstattung gibt bzw. gab, auch über die Medien (...) kritische Berichterstattung nach vorne zu bringen oder mit unserer Stimme ein bisschen ein Gegengewicht zu bieten.

 

Ziviler Ungehorsam ist wichtig, wenn man dringend sozialen Wandel braucht


DC: Was bedeutet ziviler Ungehorsam für Euch?

AG: Mit zivilem Ungehorsam haben wir uns lange gar nicht auseinandergesetzt. Das fing 2012 mit der ersten Waldbesetzung an, da gab es eine Räumung und da hieß es dann schon mal, wir sitzen hier auf den Bäumen und das ist sowas wie ziviler Ungehorsam, oder wir ketten uns in irgendwelchen Tunneln fest. Wir haben lange überlegt. Als bürgerliche Gruppierung muss man sich damit auseinandersetzen, und wir haben dazu eigentlich eine ganz gute Haltung gefunden, indem wir gesagt haben, ziviler Ungehorsam überschreitet eben auch Grenzen, manchmal eben auch die Grenzen der Legalität. Aber ziviler Ungehorsam ist wichtig, wenn man dringend einen kulturellen Wandel oder auch einen sozialen Wandel braucht. Ziviler Ungehorsam war auch schon immer der Treiber von sozialen Wandelprozessen, die wir gerade hier ganz dringend brauchen. Das war unsere Haltung dazu und wir sind in der Klimabewegung mit allen gemeinsam unterwegs. Es gibt eine sehr solidarische Vielfalt, aber natürlich auch eine kritische Solidarität, dass man sich Aktionen von anderen anschaut und darüber austauscht. Wichtig war uns, und das haben wir 2016 nochmal gesagt, dass in diesen Auseinandersetzungen um die Kohle einerseits ganz klar ist, Wald und Dörfer müssen erhalten bleiben. Aber andererseits möchten wir nicht, dass in diesen Konflikten Menschen zu Schaden kommen. Das passiert leider allzu häufig und dem müssen wir vorbeugen.

DC: Mit welchen Organisationen arbeitet Ihr zusammen?

AG: Wir haben in unserer Satzung stehen, dass wir mit Verbänden, die die gleichen Ziele haben, also Umweltschutz, Sicherung von Lebensqualität, zusammenzuarbeiten. Wir sind eigentlich in einem riesengroßen Netzwerk, was wir aufgebaut haben. Das waren anfangs nur die Bürgerinitiativen hier vor Ort, mit denen wir vernetzt sind, zum Beispiel Leben ohne Braunkohle, die sich mehr um die Kraftwerksthematik kümmern oder die Initiative Bergbaugeschädigter 50189, die sich viel mit dem Thema Feinstaubemissionen, Radioaktivität aus dem Tagebau, also auch Gesundheitsaspekten beschäftigen. Dann kam der BUND NRW relativ schnell dazu, und das Netzwerk Bergbaugeschädigter. Da gibt es noch viele mehr, das ist der regionale Rahmen. 2011 kam das erste Klimacamp von der BUND-Jugend, was hier in Manheim stattfand, unser Nachbarort also. Da fing es eigentlich an, dass wir unseren Fokus erstmals mehr auf das Thema Klimaproblematik ausgeweitet und nicht mehr nur reine Kirchturmpolitik gemacht haben. Wir haben dann nicht mehr nur geschaut, was passiert eigentlich hier mit unserem Dorf, sondern was tut die Klimakrise weltweit Menschen an

Natürlich arbeiten wir auch mit AusgeCO2ohlt zusammen, mit Ende Gelände, einem Netzwerk, in engem Kontakt auch mit den Waldschützern und Waldschützerinnen. Ich muss aufpassen, dass ich keinen vergesse, es sind in den letzten Jahren so viele dazugekommen. Natürlich freuen wir uns ungemein, dass seit letztem Jahr auch die ganz großen NGOs und Umweltverbände das Thema Hambacher Wald für sich entdeckt haben, jahrelang haben wir immer gedacht, mein Gott, wir machen hier alles alleine und warum, ja, warum haben die das eigentlich nicht als Thema?

DC: Also Greenpeace und andere?

AG: Genau, zum Beispiel Greenpeace. Der BUND war durch Dirk Jansen und den BUND NRW immer sehr präsent bei dem Thema hier, das jetzt eine bundesweite Aufmerksamkeit findet. Ich will nicht sagen, wir haben das jahrelang alleine geführt, wir haben uns hier gut in unserem Rahmen organisiert. Aber wir haben jahrelang überlegt: „Meine Güte, warum kommen immer so wenig Leute?“ Und haben dann immer gesagt, „okay, aber für die wenigen, die kommen, für die ist es wert, dass wir die Veranstaltung machen“, seien es Aktionen im Wald oder seien es kulturelle Sachen, das ist es uns wert, für uns und für die Menschen machen wir es. Dass das so eine Dynamik aufnimmt wie im letzten Jahr (Anm. d. Red.: 2018), konnten wir alle nicht absehen. Da waren wir sehr froh, dass wir die Solidarität der großen Verbände hatten. Denn ich kann mich erinnern, Greenpeace hat zum Beispiel während der Räumung so einen Pressecontainer aufgestellt. Ich glaube, wir wären sonst alle heillos mit dieser Dynamik, die sich da plötzlich entwickelt hat. überfordert gewesen. Beispielsweise Michael Zobels Waldspaziergänge, ich kann mich noch erinnern, Frühjahr oder Sommer 2018, meinte er: „Antje, was meinst Du denn, sollen wir denn im September, wenn es auf eine Räumung zugeht oder auf die Rodungssaison, jeden Sonntag Waldspaziergänge anbieten?“ Da habe ich gesagt: „Ja, auf jeden Fall, schaden kann das nicht.“ Ich erinnere mich jetzt noch, erster Sonntag im September und 7000 Leute standen da am S-Bahnhof in Buir. Ich weiß nicht, ob Ihr auch dabei ward?

DC: Wir waren dabei! Das war dieses Aufbäumen!

AG: Genau, das sehe ich jetzt noch vor mir. Wenn ich den Film DIE ROTE LINIE sehe, kriege ich noch heute eine Gänsehaut. Ich kann es heute noch nicht glauben, was für eine Dynamik sich um das Thema entfaltet hat. Ganz viele Menschen, auch die Bürgerinitiativen, die vor uns aktiv waren, haben dazu unglaublich viel beigetragen. Als der Tagebau in den 1970er Jahren eröffnet wurde, gab es auch schon Bürgerinitiativen. Da gab es Stopp Rheinbraun an den Dörfern in Garzweiler, es gab hier Verheizte Heimat, es gab Schriften von Studenten, Problemaufriss Braunkohle schon in den 70er Jahren (Arbeitskreis Chemischen Industrie Köln (Hrsg.), Problemaufriß Braunkohle. Im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen. Aachen, Köln 1984; d. Red.), wo all das, was jetzt passiert, schon beschrieben wurde. Die hatten keine Chance, weil es darum ging, sich von Ölimporten unabhängig zu machen. Man wollte heimische Energieträger. Und unter dem Eindruck der Ölkrise in den 70er Jahren, so schätze ich es ein, wurden diese Tagebaue genehmigt. Wir tragen das Kreuz, die Klimakrise ist jetzt so schlimm, und dass sie sich weiter verschlimmert, ist für uns ein zusätzliches Argument, um gegen die Kohleverstromung vorzugehen. Das heißt, das ist auch ein bisschen das Glück der Initiativen und derer, die jetzt aktiv sind, dieses starke Argument der Klimakrise vorbringen zu können.

DC: Den Braunkohleabbau gibt es schon seit hundert Jahren, aber nicht in diesem Ausmaß. Ich bin auch hier in der Gegend aufgewachsen, wir hatten auch überall diese kleineren mit Wasser gefluteten Gruben, das waren die Baggerlöcher, da sind wir Schlittschuh gefahren. Das war auch schon Braunkohleabbau, durch diesen großen Tagebau, Garzweiler, bin ich als Kind mit meiner Schulklasse durchgeführt worden. 

AG: Ich auch. Es gab auch Bilder hier bei uns im Heimatmuseum in Kerpen, eine Ausstellung. Da war es tatsächlich so, dass die Menschen früher in ihren Gärten, weil die Kohle da noch ganz oben lag, mit Eimerchen, so Sandeimer von unseren Kindern, so Klütten geformt haben, und das selber für ihren eigenen Hausbrand genutzt haben, bevor es diese Großtechnologie wurde.

DC: Aber es gab auch schon kommerzialisierten Braunkohleabbau, nur nicht diesen Riesentagebau.

AG: Genau, der Riesengroßtagebau kam erst in den 70er Jahren.

DC: Hat sich das Dorfleben mit den herannahenden Baggern verändert? Also aus Keyenberg sagte mir eine Anwohnerin: „Bei uns im Dorf herrscht Krieg.“

AG: Ich tue mich sehr schwer mit dieser Kriegsrhetorik, weil das immer sehr, sehr spaltet. Aber es trifft, glaube ich schon, ein bisschen den Kern. Die Konflikte um die Kohle sind ja letztendlich die Ursache der Konflikte, die wir in den Dörfern haben, die teilweise natürlich auch durch Nachbarschaften, selbst durch Familien gehen. Das ist eine schwierige Sache. Die Konflikte sind aber letzten Endes erst so eskaliert, als wir mehr Gehör fanden. Es ist so ähnlich wie bei Gandhi. Gandhi hat auch mal gesagt, „erst ignorieren sie dich, dann belächeln sie dich und dann bekämpfen sie dich…“ Wir sind jetzt an dem Punkt des bekämpft werden angekommen, „…und dann siegst du!“ ("...gewinnst du!", Anm. d. Red.) So endet es, glaube ich…

DC: Ich glaube auch, ja. 

AG: Doch, so endet es. Wir sind auf dem besten Weg, so muss man es einfach bezeichnen, so ist es. Je mehr Aufmerksamkeit wir mit unseren Themen bekommen haben, desto größer wurden letztes Jahr die Waldspaziergänge. Als ich dann in die Kohlekommission berufen wurde…, (da) kriegst du viel Aufmerksamkeit. Und das ist (...) für die Kohlelobby dann auch schwierig, es ist eine Bedrohung oder wird als Bedrohung wahrgenommen. Ich habe gerade das Gandhi-Zitat, das mit dem Gewinner gesagt. Ich glaube, Gewinner werden wir hier alle aber nur sein, und damit möchte ich die in der Kohle Beschäftigten miteinschließen, wenn wir diesen Systemwandel hier zusammen schaffen. Ich möchte ungern in Gewinner und Verlierer unterteilen. Ich glaube, das würde die Region noch weiter spalten und das darf so nicht kommen. Ich setze mich sehr für eine differenzierte Sichtweise ein. Ich meine, ich verurteile auch keinen RWE-Mitarbeiter, nur weil seine Kollegen vor meiner Haustür, vor meinem Privathaus demonstriert haben. Ich möchte mir diese differenzierte Haltung bewahren, obwohl es mir manchmal schwerfällt. Ich mache nicht alle für das Verhalten einiger weniger verantwortlich. In Buir gibt es massive Stimmungsmache, natürlich gegen mich, auch gegen die Bürgerinitiative Buirer für Buir. Da hängen auch mal über Nacht (…) Plakate, unglaublich, mit meinem Namen… Das Schöne war, es klingelte morgens an diesem 6. Oktober an meiner Haustür und da stand eine Familie, die sagte: „Schau mal, beim Brötchenholen, da hingen überall so Banner, die haben wir mal alle abgemacht und hier hast Du sie.“ Die musste ich nicht selber abmachen. Das ist auch schön. Ich sag immer, es gibt einen Teil, der ist für Kohle, einen Teil, der ist gegen Kohle, und dann gibt es vielleicht noch ein Drittel dazwischen, was vielleicht unentschlossen ist, was nicht aktiv ist, was einfach auch vielleicht sagt: „Ihr kommt viel zu spät.“ Das ist ja der Spruch, den wir häufiger hören: „Das hättet Ihr vor dreißig Jahren machen müssen.“ Da gab es uns noch nicht, da gab es auch die Fridays for Future noch nicht, da waren die noch gar nicht geboren. Oder: „RWE hat schon immer hier die meiste Macht, das sind welche, mit denen legt man sich nicht an, die sind sowieso immer die Gewinner.“ Viele Menschen sind hier ja auch von und mit RWE sozialisiert worden. Das fängt im Kindergarten an, da kriegst du die Butterbrotdosen mit RWE-Logo. Ich erlebe es jetzt noch in der Schule meiner Tochter: Bleistifte von RWE, Filme von RWE, Exkursion in den Tagebau. Das ist einfach schwierig.

 

Ich finde es schade, wie der Konzern es geschafft hat, die Mitarbeiter zu instrumentalisieren


DC: Du hast jetzt eine Frage ein bisschen vorweggenommen. Deswegen frage ich nochmal genauer, welche Repressionen Du erlebt hast? Ich weiß, achtzig Arbeiter_innen von RWE...

AG: …um die hundert waren es, glaube ich, aber ist egal.

DC: Vor Deiner Haustüre…

AG: Das fing schon ein bisschen früher an, ich weiß gar nicht mehr genau, an welchem Punkt das eigentlich war. Es war, als Buirer für Buir immer größer oder immer wahrnehmbarer wurde, und wir auch öfter mal in der Zeitung zitiert wurden oder mit Zitaten im Fernsehen, da begann das eigentlich mit Verbalattacken und Hetze in den sozialen Netzwerke – ziemlich fiese Beschimpfungen. Es gab da so eine Gruppe, die hieß dann mal RWE-Mitarbeiter für eine faire Berichterstattung, dann hieß sie, glaube ich, Wir im Revier. Ja, das war so ein richtiges Hetzportal. Da fragt man sich immer, wie lange schaust du dir das an, wie ernst nimmst du das? Gibst du dem vielleicht zuviel Bedeutung (…)? Ich selber bin gar nicht bei Facebook, eben aus diesen Gründen haben wir das zwar immer beobachtet oder als so eine Art Screenshots gesichert oder auch irgendwann, als es immer schlimmer wurde, mal der Polizei übergeben, die aber keinen Handlungsbedarf sah. Dann wurde es schlimmer, ich bin ja dann von CARE (Hilfsorganisation, d. Red.)zur Klimaheldin gekürt worden, 2017 im Rahmen der COP in Bonn (Anm. d. Red.: Weltklimaverhandlung). Dann gab es eine Ausstellung, wo ich öfter mal präsent war, die Waldspaziergänge von Michael (Zobel) und Eva (Töller) wurden immer größer, mit mir als Unterstützerin dabei. Dann kam diese Berufung in die Kohlekommission und diese Demo vor meiner Haustür, wo ich sagen muss, das fand ich schon sehr grenzüberschreitend. Es ist auch nicht erlaubt in Deutschland, vor Privathäusern zu demonstrieren. Ich fand es einen Skandal, dass die Polizei das zugelassen hat. Ich fand es aber auch einen Skandal von den Menschen, weil das, so sah es bei diesem Aufmarsch zumindest aus, jemand angeführt hat, der Betriebsratsvorsitzender bei RWE ist, zu der Zeit auch noch im Aufsichtsrat von RWE war. Der war eine Woche vorher, bevor er seine Leute vor mein Haus geführt hat, um ihnen mal zu zeigen: „Da wohnt die Grothus,“ bei einem Waldspaziergang sowie Dorfspaziergang in Keyenberg unterwegs und hat Plakate von Michael und mir hochgehalten. Er hat unser Foto irgendwo geklaut, dann darunter unsere Klarnamen und darüber „Arbeitnehmerfeind Nummer eins – Michael Zobel und Antje Grothus“ geschrieben. Das ist schon echt heftig. Ich habe eigentlich überhaupt nie etwas gegen RWE-Mitarbeiter vorgebracht. Meine Kritik geht an den Konzern, und ich finde es schade, wie der Konzern es geschafft hat, die Mitarbeiter zu instrumentalisieren und auch, wie er die Gewerkschaft instrumentalisiert, insbesondere die IG BCE, die ja eigentlich die Aufgabe hätte, an den Arbeitgeber zu adressieren. So ist zumindest mein Verständnis von Gewerkschaftsarbeit, sie muss sich einsetzen um zukunftsfähige, langfristig sichere und klimafreundliche Arbeitsplätze zu schaffen, aber nicht, um praktisch die Klimabewegung oder Personen wie mich zum Feindbild zu stilisieren. Das hat mich schon geschockt, aber mir war klar, das sollten Einschüchterungsversuche sein. Die haben sich auch noch extra zwei Leute, zwei Alibi-Frauen aus dem Dorf dazu genommen, die ein Plakat hochgehalten haben: „Wir sind von hier. Und ihr?“ und damit vor meiner Haustür demonstrierten. Ich lebe seit 25 Jahren in Buir und ich bin von hier, genauso wie die anderen. Das sage ich immer, dieses Revier gehört nicht nur den Kumpeln von RWE und den IG BCElern und den Menschen, die von Kohle abhängig sind oder da arbeiten. Dieses Revier, diese Region, gehört uns allen Menschen und wir müssen alle gehört werden. Das ist das, wofür ich letzten Endes eintrete, für einen fairen Interessenausgleich.

DC: Was sagst Du den RWE-MitarbeiterInnen, die Angst um ihre Arbeitsplätze haben?

AG: Ich verstehe, dass man, wenn man jahre-, jahrzehntelang in so Strukturen gearbeitet hat, gerne seine Sicherheit behalten möchte. (...) Andererseits hat diese Sicherheit heutzutage kein Arbeitnehmer mehr. Jeder muss sich selbst neu erfinden, muss schauen, wenn er irgendwo arbeitet. Wie in einer Industrie, die vom Untergang bedroht oder betroffen ist, weil er sich ja vielleicht auch selber hineinkatapultiert hat. Oder dass er sich um seinen Arbeitsplatz selber kümmert, zum Arbeitsamt geht und schaut. Ich glaube, sie (Anm. d. Red.: die RWE Mitarbeiter_innen) werden durch unsere sozialen Systeme sehr gut aufgefangen. Das ist auch im Kohlekompromiss so verankert. Abgesehen davon sehe ich die Arbeitsplätze auch nicht so sehr in Gefahr, denn wir brauchen noch jahrzehntelang Arbeitsplätze für Rekultivierung und für Nachsorge der Tagebaue, für den Rückbau der Kraftwerke. Im Hinblick auf die Altersstruktur wird es kein Problem geben. Es gibt so ein bisschen Arbeitsplatzabbau in der Kohle, (…) aber das passt eigentlich mit der demografischen Entwicklung in der Arbeitnehmerschaft sehr gut zusammen. Die jungen Menschen, die jetzt noch in Ausbildung bei RWE sind, sind gut qualifiziert und werden mit Sicherheit woanders gute Arbeitsplätze finden, denn wir leben nicht in einer strukturschwachen Region. 

Man könnte noch das (Gegen-)Beispiel von einer Frau aus Keyenberg nennen. Sie hat einen Bauernhof, hat Familie und ist Reitlehrerin, hat Pferde untergestellt und hat einen Reiterhof.  (…) Sie zum Beispiel hat mir das mal so vor Augen geführt, wie ungerecht das alles hier ist. Ihr hat RWE schon gesagt, „du kannst zwar umsiedeln, aber du kannst die Pferde nicht mitnehmen, du hast auch keine Ländereien mehr, du wirst auch keinen Reitstall mehr haben können. Das geht alles im neuen Dorf nicht“. Dann hat sie gesagt, „Wovon soll ich denn leben?“ Sie ist zum Arbeitsamt gegangen und hat gesagt, „Hört mal her, ich werde umgesiedelt, ich verliere meine Existenz, nicht nur mein Zuhause, ich verliere auch noch meine berufliche Existenz, ich brauche eine Umschulung, was könnt ihr mir denn anbieten?“ Jetzt absolviert sie eine zweijährige Umschulung, macht gerade irgendwo ein Praktikum, macht parallel weiter ihren Hof, weil sie ja noch davon lebt und Geld verdient, gibt noch ihren Reitunterricht, muss ihre Familie und kleine Kinder versorgen, und muss sich noch darum kümmern, sich mit RWE und der Umsiedlung herumzuschlagen. Das ist für mich so ein Beispiel, sie muss zum Arbeitsamt gehen, muss sich einen neuen Job suchen, aber RWE-Mitarbeiter, die werden gut gebettet, die werden entschädigt, die werden in den Vorruhestand geschickt. Nicht, dass sie das nicht sollen, dass sie nicht aufgefangen, umgeschult werden sollen oder so. Aber diese Ungleichheit! Dieser Fall zeigt diese Ungleichheit so ungemein, wie unterschiedlich Menschen behandelt werden. Und das finde ich ungerecht.

DC: Hast Du durch den Regierungswechsel (in NRW, d. Red.) 2017 eine Veränderung in der Politik oder im Umgang mit Euch erlebt?

AG: Ja, unbedingt. Es gab anfangs unter Rot-Grün Bemühungen um Runde Tische im Landtag. Dort hat man geschaut, wie gehen wir mit der Eskalation am Hambacher Wald um, wo Umweltschützer mit Polizei und auch mit Werkschutz aufeinandertreffen. Nicht nur mit Werkschutz, sondern auch mit den von RWE beauftragten Security-Unternehmen, die unseriös auftreten. (...) Es gab auch keine Eskalation, indem Baumhäuser geräumt wurden, ohne dass es nötig war. Ich habe unser Land als viel liberaler erlebt, auch wenn ich jetzt nochmal aufs letzte Jahr zurückblicke. Vieles wurde rückgängig gemacht, gerade was den Klimaschutz angeht. Ich finde, NRW war auf einem guten Weg, das war ein Bundesland, das das erste Klimaschutzgesetz hatte (...). Dann hat man nach dem Regierungswechsel immer wieder in Reden gesagt: „Ja, aber wir stehen so gut da.“ Das fand ich war schon ein Widerspruch. Ich erlebe jetzt, schon dass dem Ausbau der erneuerbaren (Energien) ein Riegel vorgeschoben wird. Vor allen Dingen erlebe ich eine unglaubliche Polarisierung durch unseren Ministerpräsidenten, der, seitdem er Ministerpräsident ist, versucht, Kohle und Atom gegeneinander auszuspielen. Jetzt hat er versucht, den Wald gegen die Dörfer auszuspielen, so nach dem Motto, ja, wenn der Wald hier erhalten bleiben muss, laut Kohlekompromiss, dann müssen die Dörfer aber weg. Das finde ich eines Ministerpräsidenten sehr unwürdig. Das trägt dazu bei, mehr Unfrieden hier in der Region zu schaffen, die eigentlich dringend in der Auseinandersetzung friedliche Lösungen braucht. Ich bin sehr, sehr froh, dass die Menschen in Kohle und Atom, aber auch in den Dörfern sich nicht mit solchen schlimmen Argumenten auseinanderdividieren lassen.

 

Die Kraft nehme ich daher, dass ich das System als abgrundtief ungerecht empfinde


DC: Und dieser Krampf, ach Kampf – Krampf passt auch (lacht, d. Red.) – David gegen Goliath, das ist wahnsinnig frustrierend und braucht viel Kraft. Woher nimmst Du diese Kraft?

AG: Ich nehme die Kraft zunächst daher, dass ich das System, was hier herrscht, als absolut und abgrundtief ungerecht empfinde. Ich war schon immer gegen ungerechtes Handeln, insbesondere gegen Machtstrukturen, wie sie von RWE hier vorgegeben sind. Dass Konzerne so viel Macht haben dürfen und dass Politik, dass Politiker mehr Industrie- und Konzernlobbyisten sind als Bürgerlobbyisten, was sie meiner Meinung nach sein sollten. Das finde ich nicht ehrenhaft. (...) Woher nehme ich die Kraft? Ich nehme die Kraft natürlich unglaublich (stark, d. Red.) aus dem tollen Team von Buirer für Buir. Wir sind zusammen politisiert worden durch das, was RWE hier gemacht hat. Dann durch das wachsende Netzwerk, viele tolle positive Rückmeldungen. Und letzten Endes: natürlich haben wir auch schon den einen oder anderen Erfolg zu verzeichnen, das muss man auch sagen. Ganz viel Kraft habe ich seit dem letzten Jahr, seitdem sich so eine große Dynamik um das Thema entfaltet hat, wo so viele Menschen gekommen sind, einfach so. Auch, denke ich, politisiert durch die Vorgehensweise vom Innenminister mit den Räumungen. Das hat viele Menschen auf die Straße und zu uns gebracht, die das Thema Kohleausstieg, Klimaschutz vielleicht gar nicht so auf dem Schirm hatten (...). Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, die gesagt haben, nein, das, was hier passiert, so eine Räumung im vorauseilenden Gehorsam für RWE, Erfüllungsgehilfe für RWE, das Stichwort fiel hier auch heute, da ist unsere Demokratie gefragt, da müssen wir was gegen tun. Und so empfinde ich das auch. Es geht um gerechte Lebensverhältnisse und um einen fairen Interessenausgleich, und nicht darum, die Gewinne des Konzerns zu mehren auf Kosten derer, die zum Beispiel in den Dörfern Opfer bringen müssen, indem sie ihr Haus oder ihr Zuhause aufgeben oder auch ihre Heimat, um ruhig diesen sperrigen Begriff mal zu benutzen.

DC: Bekommst Du Unterstützung von Deiner Familie?

AG: Das ist sehr unterschiedlich. Meine Familie, ich habe drei Töchter, leidet natürlich darunter, dass ich so viel abwesend bin und unglaublich viel arbeite an dem Thema. Aber meine Töchter, die sind ja 26, 24 und 16, haben mir jetzt, also in den letzten Wochen und Monaten, auch nochmal zurückgespiegelt, dass sie sich unglaublich freuen, dass sich meine Arbeit so gelohnt hat. Dass sie sich freuen, dass das so von Erfolg gekrönt ist und sie sind auch, naja, stolz ist nicht der richtige Ausdruck. Sie freuen sich für mich und mit mir. Als sie den Film Die rote Linie gesehen haben, waren sie sehr berührt davon. Da haben wir das alle nochmal Revue passieren lassen, was eigentlich die letzten Jahre passiert ist. Das kann man ja auch nicht so gut verarbeiten. Ich selbst bin da nicht hinterhergekommen, was sich durch und um meine Person seit dem letzten Jahr für eine Dynamik entwickelt hat. Ich habe gar nicht diese Wahrnehmung, in der viele andere meine Person wahrnehmen. Ich empfinde das nicht so, ich mache nur das, was ich immer gemacht habe. Es sprechen mich Menschen an, die mich alle kennen, irgendwo, du bist im Zug unterwegs…, das ist schon gewöhnungsbedürftig. 

 

Eigentlich hätte diese Kommission Klimakommission heißen müssen


DC: 2018 warst Du gewähltes Mitglied in der „Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“, also kurz Kohlekommission?

AG: Ja.

DC: Wie hast Du die Verhandlungen erlebt?

AG: Naja, erstmal war ich natürlich kritisch, in so eine Kommission reinzugehen, die schon „Wachstum“ heißt, ja?! Eigentlich hätte sie Klimakommission heißen müssen, das hätte im Vordergrund stehen müssen. Wie habe ich die Kommission erlebt? Erstmal möchte ich sagen, was ich drum herum erlebt habe, dass sich durch meine Berufung und die von Hannelore Wodtke in der Region eine unglaubliche Dynamik entwickelt hat, weil die Menschen froh waren, dass sie über uns jetzt endlich mal gehört werden und auch mal die andere Seite der Medaille ein bisschen bekannter wird. Ansonsten war das eine unglaublich herausfordernde Zeit für mich, eine sehr, sehr anstrengende Zeit. Ich bin auf politischem Parkett überhaupt nicht bewandert gewesen. Das war natürlich schwierig, in dieser Kommission mit politischen Schwergewichten aufeinanderzutreffen, sowohl parteipolitische Schwergewichte, wie zum Beispiel ehemalige Ministerpräsidenten aus den Ost-Bundesländern, aber eben auch die Menschen, die sehr gut institutionalisiert arbeiten, zum Beispiel im BDI oder BDW oder in den Gewerkschaften. 

(Ein unbekannter Mann kommt hinzu, Anm. d. Red.) 

DC: Hallo!

Mann: Habt Ihr einen Schlüssel hiervon? (Anm. d. Red.: Gemeint ist die entweihte Kirche, auf deren Treppe die Gruppe während des Gesprächs sitzt.)

AG: Nein, nein, wir wollten auch nicht rein. Wollen Sie rein?

Mann: Na, muss ich mir ja hier mal angucken. Die Glocke hamse (umgangssprachlich, d. Red.) hier schon rausgerissen.

AG: Jaja, ich weiß, ja.

Mann: Ist ja furchtbar.

AG: Ja, schlimm.

Mann: Sie sind doch die Frau Grothus? Ich kenne Sie nur aus den Medien. Ich bin aus Elsdorf, wir wohnen im Dreck.Sie kennen sich hier aus, Sie sind ja aus der Region.

AG: Jaja.

Mann: Wir kriegen den ganzen Dreck von der Sophienhöhe (Anm.: Hochkippe des Hambacher Tagebaus) mit. Da ist ja immer Westwind, das weht uns alles entgegen. (…). Ich finde das schlimm, was hier veranstaltet wird. Jedes Mal, wenn ich nach Düren fahre, fahre ich hier durch den Ort (Anm. d. Red.: Kerpen-Manheim).

AG: Tut weh, ja?

Mann: Ich hab' hier viele Freunde und Bekannte gehabt.

AG: Die sind jetzt alle umgesiedelt. (…) Da fällt mir gerade was Tolles ein. Ich habe eine Postkarte von jemandem bekommen, das müssen wir vielleicht noch ein bisschen im Nachtrag ergänzen. Als diese Aktion war von RWE-Mitarbeitern, die vor meinem Haus protestiert haben, da habe ich ganz viele Solidarbekundungen übrigens bekommen, was uns auch Kraft gibt. Ich habe Postkarten gekriegt, ich habe Badesalz und Tee geschickt gekriegt, Leute haben mir ihr Haus angeboten, wenn ich mich zurückziehen müsste, auch schöne Ferienhäuser wurden mir angeboten, da sollte ich Urlaub machen. (...) Und jemand aus Elsdorf hat mir eine schwarz-weiß Postkarte geschrieben (…) mit einem Segelschiff drauf. Und der schrieb hinten drauf: „Frau Grothus, egal, was passiert, halten Sie bitte Kurs!“ Und das hat mich so berührt, unglaublich. Ich weiß auch seinen Namen, der stand hinten drauf. Ich schaffe es aber nicht, mich bei den ganzen Leuten zu bedanken. Aber das ist eben was, was mir unheimlich Kraft gibt, diese total schönen, positiven Rückmeldungen.

Mann:  Was ich schlimm finde, die Leute aus Buir und Alt-Manheim und so, die stehen ja gar alle dahinter, die stehen ja hinter dem RWE.

AG: Ja, die stehen hinter Loni Lambertz (Anm. d. Red.: CDU Ratsmitglied in Kerpen und Frau des ehemaligen RWE-Vorstandsmitglieds Johannes Lambertz.)

Mann: Also ich kenne in Buir jemanden, ich glaube, aus Ihrer Nachbarschaft (nennt einen Namen, d. Red.), der schreibt ja auch immer viel.

AG: Ja, ja, der ist aber auch eher positiv gegenüber uns. 

Mann: Richtig, der ist gegen RWE.

AG: Jaja, genau. Ja, das…

Mann: Eines Tages haben sie den auf offener Straße vertrimmt. Ich sag immer, D., halt dich mal zurück. Du kannst nachts nicht mehr auf die Straße gehen. Das ist unmöglich.

AG: Ja, das war nach der Demo vor meiner Haustür. Dass mein Mann mich immer abends oder morgens, wenn ich zum Zug bin, zur S-Bahn, gebracht hat, eine Zeit lang. Man weiß ja nicht. Es gibt auch Facebook-Seiten, zum Beispiel gibt es „Rolf Martin Schmitz Ultras“ (Anm. d. Red.: Rolf Martin Schmitz ist RWE-Vorstandsvorsitzender, die besagte Ultras-Seite scheint nicht mehr zu existieren.), wenn man sich die anschaut, welch Geistes Kind die ist, wie da Runen auf den Seiten stehen, da kann man schon Sorge bekommen, dass irgendwann einer ausflippt und meint, er muss einem was antun. Das ist die Einschüchterungsmaschinerie und das wollen die erreiche, schaffen sie aber nicht, nein, schaffen die nicht. 

Mann: Ja, denken Sie, dass der Wald bestehen bleibt.

AG: Klar, da kann keiner mehr seine Säge anlegen, an den Wald. Was meinen Sie, was da los ist?

DC: Sie nehmen mir jetzt mein Interview vorweg! (Anm. d. Red.: Alle reden und lachen durcheinander.)

Mann: Also ich habe da mal Zweifel…

AG: Was meinen Sie, was passiert, wenn der Wald fällt? Da kann ich Ihnen was sagen, und das ist nicht mein Ton. Ich möchte aber nicht sagen, von wem es ist. Da hat jemand zu mir gesagt, „Frau Grothus, Sie wissen doch, wenn der Wald fällt, dann ist hier Krieg.“ Und das war niemand aus dem aktivistischen Bewegungsspektrum, sondern jemand aus der Kommunalpolitik hat das zu mir gesagt. Das kann sich keiner erlauben.

Mann: Der Kurt Claaßen hat auch seine Wiese da, der ist sich auch nicht mehr so sicher. Also der meint auch, da passiert jetzt was, das soll wahrscheinlich geräumt werden. (Anm. d. Red.: Kurt Claaßen ist der Wiesenbesitzer, der seine Wiese für die Waldbesetzer_innen zur Verfügung gestellt hat, bzw. sich standhaft weigert, die Wiese an RWE zu verkaufen.)

AG: Wissen Sie, das ist genau der Punkt. Die Bagger stehen so nah davor, das hat einen Sinn. Die wollen uns verunsichern, deswegen stehen die Bagger vor dem Dorf Keyenberg, wir wissen doch, was das mit den Menschen macht. Es bricht den Menschen das Genick, wenn sie sehen, dass diese Machtdemonstration weitergeht. Wenn da so ein Riesenbagger steht, fünfzig Meter vor dem Wald, dann geht einem das an die Nieren. Das geht mir auch an die Nieren. Ich habe heute noch gesagt, wenn so wie der Wald (...) die Gelder für den Strukturwandel in Gefahr wären, dann würden sie alle hier, die ganze Politik, längst Alarmglocken schellen lassen. Wenn der Kompromiss umgesetzt werden muss, dann muss er eins zu eins umgesetzt werden. Und dann muss der Wald bestehen bleiben. 

Mann: Ich bin mir da nicht so sicher.

AG: Sie sind ja hier aufgewachsen, das hört man. (…) Sie leben schon lange hier.

Mann: Ich bin da, wo ich jetzt wohne, aufgewachsen. Wir hatten früher einen Brunnen vor dem Haus, alles total trocken, seit vielen Jahren schon. Ich finde das eine Sauerei. Tannenbäume sind schon alle kaputt gegangen. Damit macht man alles (Anm. d. Red.: Gemeint ist die Absenkung des Grundwassers durch das RWE) kaputt. Aber ob das jetzt wirklich vom Borkenkäfer kommt (…), aber ich glaube, die Trockenheit, die tut auch ihren Teil dazu.

AG: Das glaube ich, dass das so ein bisschen unser Unterschied ist, was ich gerade gesagt habe. Wenn man hier gewachsen ist, Jahrzehnte hier lebt, im Kindergarten schon von RWE indoktriniert und infiltriert wird, dann fällt es noch schwerer, kritische Töne anzuschlagen, wie Sie es jetzt trotzdem machen. Ich bin nur hergezogen vor 25 Jahren. Ich kann da vielleicht leichter mit umgehen. Aber jeden Tag erlebe ich neu, wie hier die Strukturen sind und wie RWE in den Kommunen aus- und eingeht, in den Ministerien und überall. Das erlebe ich, aber deswegen darf man nicht aufgeben.

Mann: Wenn man sieht, was die schon alles kaputt gemacht haben. Wir haben früher in Bergheim gewohnt, eine Zeit lang, da fing das an mit dem Kloster Bethlehem, das kennen Sie gar nicht mehr. Das wurde schon 1966 abgerissen. Da bin ich noch drin gewesen. Was das für ein Bauwerk war! Da haben die alles…

AG: Ah, und Haus Bochheim (Name unverständlich, d. Red.) ich könnte heulen. Das hätte man gar nicht abbaggern müssen, das hätte man stehenlassen können. Das ist ein ganz tolles Haus hier in der Nähe, das hätte man als Tagungshaus nutzen können. Weil doch klar war, dass wahrscheinlich Schluss ist mit dem Tagebau. Trotzdem werden Fakten geschaffen, und selbst die Kirche hier (Anm. d. Red.: er deutet hinter sich)… Wollen Sie da nicht reingehen?

Mann: Ist ja zu, kann man ja nicht mehr…

AG: Ich dachte, Sie wüssten, wo der Schlüssel versteckt ist.

Mann: Leider nein. Ich bin da mal drin gewesen, da war eine Totenmesse für eine Frau, da haben meine Frau und ich gesagt, wir kommen noch mal vorbei, wenn die Totenmesse vorbei ist, vielleicht haben wir mal Gelegenheit, in die Kirche zu gehen. Und so war es dann auch. Und dann habe ich die Küsterin gefragt, „Wie stehen Sie denn dazu, wenn das alles abgerissen wird. Das ist doch auch Kulturgut, oder?“ Da stiegen ihr die Tränen in die Augen. Ich sag, „Wo wohnen Sie denn jetzt?“ „Ja, in Neu-Manheim, da haben wir alles neu, da ist es schön und prima."


Manchmal merkt man erst zehn, zwanzig Jahre später, was man verloren hat


AG: Jaja.

Mann: Und wenn man durch Neu-Manheim fährt, sind Sie auch schon mal durchgefahren? Alles Prachtbauten – da können wir nicht mithalten.

DC: Obwohl mir Leute bei dieser Alle Dörfer bleiben-Aktion gesagt haben, dass das alles keine Seele hat. Das kann man sich vorstellen, das ist hier so gewachsen, die alten Bauernhöfe, die hier in die Dörfer reingebaut sind, teilweise Fachwerkhäuser, denkmalgeschützte Gebäude, das ist was anderes als Neubau. 

AG: Ich habe jetzt mit einem Landwirt aus Etzweiler gesprochen, der vor zwanzig Jahren umgesiedelt ist. Das war ein Dorf hinter dem Wald. Der hat mir gesagt, er wollte damals gar nicht, er hat sich lange gewehrt. Er hat mir gesagt, er merkt erst jetzt im Alter, was er verloren hat. Der war schon immer dagegen, aber trotzdem ist er dann umgesiedelt und hat jetzt gesagt, manchmal merkt man erst zehn, zwanzig Jahre später, was man verloren hat. Ich glaube, die Umsiedelung kostet den Menschen schon einige Jahrzehnte ihres Lebens. Das hat mal die B. aus Wanlo gesagt. Sie hat gesagt, zehn Jahre vorher, wenn man es weiß, fängt der Umsiedelungsprozess an, dann die zehn Jahre des eigentlichen Umsiedelungsprozess ––, und dann braucht man nochmal zehn Jahre, um im neuen Dorf wieder so einigermaßen seine neuen Nachbarn kennenzulernen und bis die Strukturen da wieder aufgebaut sind. Ich meine, das sind dreißig Lebensjahre! (...)

Mann: Ich habe zwei Cousinen, die wohnten in Etzweiler, haben beide Bauernhöfe gehabt. Und die waren vorher in Bedburg und sind von dort nach Etzweiler umgesiedelt, dann schon wieder umgesiedelt.

AG: Oh Gott.

Mann: Ich möchte noch eins sagen: Die ganze Asche, die in den Kraftwerken entsteht, ist jetzt im Tagebau, Schwefel und alles. Irgendwann schlägt das in eine neue Sauerei um.

AG: Da ist zum Beispiel, genau wie bei dem Thema Kraftwerksaschen und Schlacken, Verkippung an den Tagebaurändern, die Gruppe Leben ohne Braunkohle in Puhlheim sehr eng dran. Die haben schon erreicht, dass das Bergamt jetzt höhere Rückstellungen reingesetzt hat, aber das reicht immer noch nicht. Ich sehe das auch, dass wir noch sehr viele von diesen Ewigkeitsfolgen haben werden. Ganz viele Problematiken gibt es hier, jaja. 

(Zu dem unbekannten Mann, der nun weggeht) Vielen Dank, hat mich total gefreut! Tschüss!

DC: Das waren noch ein paar interessante Aspekte, die werde ich noch aufführen.

Mann: Ja! (winkt, d. Red.)

AG: Ja, eine der schönen Begegnungen. 

DC: Wir waren bei der Kohlekommission, ja? 

AG: Ja, fangen wir nochmal da an.

DC: Viele politische Schwergewichte…

AG: Genau. Auch eine gewisse Ungleichheit in der Art, wie man aufgestellt ist, das muss man wissen. Die meisten, wie gesagt, sind institutionalisiert gewesen. Ich hatte keinen Stab von irgendwelchen Mitarbeitern hinter mir. Das Einzige, was ich sehr positiv erwähnen muss, ist, dass ich für die Zeit der Arbeit in der Kohlekommission von meiner eigentlichen Arbeit bei der Klima-Allianz Deutschland als Koordinatorin für Kohlepolitik in NRW freigestellt wurde, weil dort gesagt wurde, dann gibt es auch keine Interessenkonflikte. „Du musst hier auch nicht berichten, was Du machst und keine Rechenschaft ablegen. Kümmere Dich um das Thema, Du weißt vor Ort am besten, was wichtig ist“. Dadurch hatte ich auch keine finanziellen Einschränkungen in der Zeit, weil meine Familie schon gesagt hat, Mama, wenn du das jetzt wieder ehrenamtlich machst mit der Kohlekommission, dann kannst du ausziehen, so ähnlich. Wenn man so engagiert ist wie ich, hat man meist auch finanzielle Nachteile dadurch, durch die viele Zeit, die man ehrenamtlich arbeitet. In der Zeit kann man kein Geld verdienen, das ist einfach so. Ich musste mich während der Zeit um alles selber kümmern, ich habe jede Rede selber geschrieben, ich habe meine Übernachtungen selber gebucht, meine Reisen, ich war meine eigene PR-Frau, meine eigene wissenschaftliche Mitarbeiterin und, und, und. Und das war schon eine Riesenherausforderung. Ich hatte wohl eine Begleitung – „Sherpa“ (Anm. d. Red.: Chefunterhändlerin) hieß es immer – aber da konnte ich eben kein Geld für in die Hand nehmen, da war ich drauf angewiesen, dass sie von einer Organisation, bei der sie wiederum arbeitet, freigestellt wird. Und das war Daniela Setton vom Institut für Nachhaltige Transformationsforschung in Berlin. Sie hat mich sehr gut unterstützt, gerade bei diesen Themen Bürgerbeteiligung, Partizipationsprozesse, und hat ihr Know-how mit eingebracht. Für diese Begleitung, Unterstützung und Entlastung war ich sehr dankbar. 

Was auch zu (...) meiner Kommissionsarbeit zählt, was sehr positiv ist und mir viel Energie gegeben hat, ist die Begleitung, die Verstärkung, das viele Vertrauen, was ich genossen habe in der Zeit. Das muss ich schon sagen. Als ich berufen wurde, habe ich direkt gesagt, ich kann nicht einfach dahin gehen und irgendwelche Sachen einbringen. Da müssen Leute hinter mir sein, die sagen, was ich einbringen soll. Die Interessen der Region will ich vertreten. Ich habe dann das Gemeindehaus in Buir gemietet, alle drei Wochen freitagabends, und über die vielen Listen Menschen eingeladen, mich bei diesem Weg, bei dieser Arbeit zu begleiten. Das gab mir die Möglichkeit, mich zu entlasten und ich konnte Transparenz schaffen: was schreibe ich für Eingaben, was mache ich, was gebe ich für Texte rein, wie agiere ich in der Kommission. Ich konnte mir auch Unterstützung holen, Bestätigung holen und auch Kritik. Ich konnte mit diesen Menschen kritisch reflektieren, was gerade passiert. Und das hat dazu geführt, dass wir dieses eigene Strukturwandelkonzept entwickelt haben, weil sich das so ergeben hat. Für diese Begleitung meiner Kommissionsarbeit durch den so genannten „Zivilgesellschaftlichen Koordinierungskreis Strukturwandel“ bin ich unglaublich dankbar. (...) Das hat mich sehr motiviert, weiterzumachen. Die Arbeit in einer solchen Kommission ist schon schwierig, vor allen Dingen, wenn die Kommission so besetzt ist wie diese besetzt war. Wir hatten nur ein Drittel Frauen. Ich habe immer kritisiert, dass überhaupt keine Vertreter der Jugend dabei waren, es waren keine Kirchenvertreter dabei und es waren auch keine Vertreter aus dem globalen Süden dabei, also von Menschen, die die Klimakrise besonders trifft. Es war eindeutig so, dass zwei Drittel doch eher die Freunde der fossilen Industrie und des unendlichen Wirtschaftswachstums waren. Und dann wird halt so entschieden, wie entschieden wurde.
 

Die beiden wichtigen Empfehlungen der Kohlekommission sind: Strukturwandel einerseits und Klimaschutz und Kohleausstieg andererseits


DC: Wie bewertest du den Kohlekompromiss, das Ergebnis, dann letztlich?

AG: Ich sage immer, wenn ich gefragt werde, eigentlich kann ich nur einen Zwischenstand oder ein Zwischenfazit geben. Die Entwicklungen ändern sich ständig, weil es davon abhängt, was in Berlin passiert. Deswegen kann man immer nur ein Zwischenfazit ziehen und sagt einmal, ja, das war gut, dass wir das so gemacht haben und dass ich das mitgetragen habe. Und dann sagt man wieder, oh je, was kommt… Wenn man dann sieht, was jetzt mit dem Hambacher Wald passiert, fünfzig Meter die Bagger davor, dann denkt man, ja, Papier ist halt geduldig. Der Erhalt des Hambacher Waldes steht da, aber es passiert nichts in dieser Richtung. Mir war aber wichtig, diese Empfehlung mitzutragen, damit wir endlich einen Einstieg in den Ausstieg aus der Kohle haben. Wir haben vereinbart, bis 2022 drei Gigawatt Kraftwerkskapazitäten hier im Revier abzuschalten. Da war mir klar, damit haben wir auch die Möglichkeiten, den Wald und die Dörfer zu retten. Das war der erste Schritt, der mir wichtig war. Wenn dieser ganze Kompromiss geplatzt wäre und wir nichts zustande bekommen hätten, hätte es ein „Weiter-so-wie-immer“ gegeben. Gibt es jetzt gerade auch noch, aber es wird in Berlin an Lösungen gearbeitet, sagen wir es mal so. Es wird an einem Kohleausstiegsgesetz gearbeitet und an einem Strukturstärkungsgesetz. Das sind die beiden wichtigen Aspekte in den Empfehlungen der Kohlekommission: Strukturwandel einerseits und Klimaschutz und Kohleausstieg andererseits. 

Dass mir alles zu lange dauert, ist klar. Wir haben gesagt, wir möchten, dass das zeitnah ist und dass die Empfehlungen vollumfänglich umgesetzt werden. Das passiert gerade meiner Meinung nach nicht. Die Bundesregierung hätte viel besser darauf vorbereitet sein müssen, da sie wusste, es wird Empfehlungen geben und die müssen schnell umgesetzt werden. Das wird im Moment sehr, sehr verzögert. Ich erlebe ein politisches Vakuum auf verschiedenen Ebenen und das nutzen die Kohlekonzerne und insbesondere RWE aus, um Fakten zu schaffen. Uns läuft so die Zeit weg, und zwar nicht nur uns vor Ort mit dem Erhalt des Waldes und der Dörfer, sondern auch für den Klimaschutz läuft uns die Zeit weg. Jeder Tag, der vergeht, ist ein Tag zu viel und führt dazu, dass die Maßnahmen, die wir ergreifen müssen, immer drastischer werden. Dass das nicht gesehen wird! Es fehlt absolut dieses Vorausschauende, dieses präventive, dieses vorbeugende, vorausschauende Handeln, das vermisse ich total in der Politik. Und das vermisse ich auch im Umgang mit den Mitgliedern der Kohlekommission. 

DC: Was bedeutet der Hambacher Forst für Dich?

AG: Für mich persönlich als Buirerin, die ein paar hundert Meter davon entfernt ist, ist der Hambacher Wald ein absolutes Schutzschild gegen den Tagebau: wenn man nicht sieht, was dahinter passiert, diese Riesenwunde in der Erde, Feinstaub- und Grobstaubemission, Lärm- und Lichtemission durch den Tagebau, das ist erstmal ein Schutzschild für uns Bürger in Buir. Die Symbolik des Hambacher Waldes hat sich für mich immer mal wieder geändert. Als ich mit den Climate Warriors da war im Rahmen der COP (Anm. d. Red.: Conference of the Parties = Weltklimakonferenz), habe ich gedacht, „Mensch, es lohnt sich, um jeden Wald, um jeden Baum in diesem Wald zu kämpfen, weil jeder Baum, der stehen bleibt, bedeutet, dass soundsoviele Tonnen weniger Kohle gefördert werden.“ Und deswegen wird die Erdatmosphäre auch weniger aufgeheizt. Dann sagen einige, der Hambacher Forst ist ein Zeichen dafür, dass wir verstanden haben, wir brauchen jetzt einen Wandel. Ein Zeichen für Paris, für die Pariser Klimaziele. Seit letztem Jahr – und das ist auch im Moment das, wofür für mich der Wald am meisten steht – als ein Symbol dafür, wie viel man mit zivilgesellschaftlichem und ehrenamtlichem Engagement erreichen kann. Ich möchte nicht die Erfolge des BUND NRW kleinreden, weil ohne seine juristischen Bemühungen der Wald schon 160 Hektar kleiner wäre. Durch den BUND sind zweimal Rodungssaisons ausgefallen, ein Riesenerfolg, mit dem nie jemand gerechnet hätte. Aber der Druck der Zivilgesellschaft, die im letzten Jahr massiv auf die Straße gegangen ist und wo von September bis November fast 100.000 Menschen am und um den Wald aktiv waren, allein nur mit Demos und ihrer Präsenz, das zeigt für mich ganz klar, wie viel Power Zivilgesellschaft hat, Menschen haben, die sich zusammenschließen zu solidarischer Vielfalt, wie viel man bewegen kann. Dafür ist für mich der Hambacher Wald im Moment das größte Zeichen.

DC: Also lohnt es sich, weiterzukämpfen um den Rest Wald, auch wenn Experten davon ausgehen, dass der Wald hydrologisch schon tot ist?

AG: Ich würde nicht sagen, er ist hydrologisch tot, aber er ist massiv geschädigt. Ihm wird massiv durch Wasserentzug geschadet. Er lebt vom Oberflächen- und Niederschlagswasser (Anm. d. Red.: Das Oberflächenwasser fließt an der Nahe am Wald liegenden Bruchkante des Tagebaus ab.). Wir wissen ja, durch die Klimakrise gibt es zudem immer mehr Extremwetterereignisse und wir haben eine massive Trockenheit in allen Wäldern. Deswegen sind alle Wälder in NRW in einem besorgniserregenden Zustand, insbesondere die Buchenwälder aufgrund ihrer Struktur. Die Buchen sind besonders anfällig für diesen Hitzestress. Und ich denke, wir werden auch nicht umhinkommen, demnächst künstliche Bewässerung machen zu müssen, um diesen Wald zu erhalten. Es lohnt sich auf jeden Fall, weil er für viele Menschen zum Symbol geworden ist – auch für  viele Kommunen, auch die Kommune Merzenich und die Kommune Kerpen, die auf den Strukturwandel, auf den Erhalt dieses Waldes setzen, weil sie sagen, da wollen viele Leute hinkommen. Vielleicht machen wir da mal (...) eine Transformationsakademie (…) Vielleicht probieren wir hier mal, wie alternatives Wirtschaften funktionieren kann, das heißt, man schafft Experimentierräume für die Menschen in der Region. Ich glaube, wenn der Hambacher Wald nicht erhalten bleiben kann, dann gefährdet das absolut den Bestand des Kohlekompromisses. Ich versuche auch, das immer wieder auf politischer Ebene klarzumachen. Ich glaube, der Politik in Berlin ist das nur nicht bewusst, das finde ich gefährlich.

DC: Du stehst auch immer in Kontakt mit den Baumbesetzer_innen des Hambacher Waldes. In den Medien wirst du oft als Bindeglied zwischen den Menschen aus dem bürgerlichen Lager und dem Protestcamp oder den Baumbesetzer_innen dargestellt. Siehst Du Dich auch so?

AG: Ich sehe mich sehr als Netzwerkerin, wenn ich das mal so sagen darf. Bindeglied kann man vielleicht auch sagen. Ich stehe eigentlich seit Jahren, glaube ich, für den Zusammenhalt der verschiedensten Gruppen, jetzt nicht nur Bürgerinitiativen, die so aktiv sind wie wir, sondern auch zu den Baumschützern und -schützerinnen. Einige Leute, die kenne ich seit 2012, da hat man einen vertrauensvollen Kontakt aufgebaut. Die Arbeit, die die Menschen geleistet haben, ist unglaublich, was die sich aussetzen, indem sie auf einem Baum sitzen, und welche Öffentlichkeit sie damit bekommen. Mir ist immer wichtig, dass Menschen differenziert wahrgenommen werden und dass wir nicht in Schubladen denken und sagen, ja, das sind DIE Waldbesetzer. Das gibt es so nicht. Es gibt auch nicht DIE Polizei. Es gibt auch nicht DIE Bürgerinitiative. Jeder Mensch ist ein Individuum und mein Appell ist, dass wir versuchen, uns in den Auseinandersetzungen, auch in dem Streit, in den Konflikten um die Kohle oder um den Wald oder um die Dörfer, als Menschen zu begegnen. Ich glaube, dann hätten wir es viel einfacher, in diesem direkten Kontakt und nicht über die sozialen Medien, wo ja oft alle Schranken fallen, wo es keine Hemmungen mehr gibt und Menschen beschimpft werden und so weiter. 

DC: Dialog auch...

AG: Dialog ist immer wichtig. Wir stehen immer für Dialog und wir laden alle zu Dialog ein. Ich habe immer versucht zu vermitteln, ich bin eigentlich ein sehr harmoniebedürftiger Mensch. Deswegen versuche ich immer, dass man in Kontakt bleibt und sich auseinandersetzt. Ich hör mir selber Kritik auch an, an dem, was ich tue, an. Ich glaube, im Dialog, im Gespräch zu bleiben, ist immer wichtig (...).

DC: Du hast ja diverse Auszeichnungen erhalten, die MUT-Medaille...

AG: Ja, genau.

DC: Diverse andere Auszeichnungen auch noch und bist im Fernsehen präsent gewesen, bei Maybrit Illner und Anne Will. Hilft Dir das im Kampf gegen RWE?

AG: Also zunächst ist mit solchen Anfragen viel Arbeit verbunden, das will ich jetzt mal zuerst sagen. Wenn man plötzlich in seinem E-Mail-Postfach eine Anfrage von Anne Will hat, ob man zur Sendung kommen will, dann muss ich sagen, schlägt das Herz schon bis zum Hals, wenn man kein Medienprofi ist und auch kein jahrelanges Medien-Coaching oder so hatte. Andererseits, und da muss ich nochmal die Kohlekommission ins Spiel bringen, war es natürlich so, dass wir von Anfang an gesagt haben, wenn wir in dieser Kommission vertreten sind, dann haben wir die Chance, öffentlichkeitswirksame Aufmerksamkeit für uns und unsere Themen zu bekommen, die uns am Herzen liegen, und diese bekannt zu machen. Und ich glaube, das hat geholfen, weil wir das gut genutzt haben, also nicht ausgenutzt, aber wir haben es gut genutzt. Und die Preise, natürlich, das ist eine Wertschätzung meiner Arbeit. Deswegen freuen sie mich, das war für mich eine unglaublich große Ehre, dass ich als „Klimaheldin“... Ich habe auch klar gemacht, ich würde mich nicht als Klimaheldin bezeichnen, aber dadurch, dass ich diesen ganzen Anfeindungen hier standhalte, hat das vielleicht manchmal schon ein bisschen was Heldinnenhaftes, denn man braucht wirklich sehr viel Mut. Da zitiere ich immer gerne, ich komme ja aus der Kolpingstadt Kerpen oder lebe da, und Kolping hat mal gesagt, „wer Mut zeigt, macht Mut“. Das ist schon ganz wichtig und vereint viele, die hier mit ihrem Gesicht und ihrem Namen für die Sache stehen. Die MUT-Medaille, die heißt aber nicht MUT wegen ‚Mut’, obwohl ich das eigentlich toll finde, hätte gepasst, sondern für Mensch, Umwelt und Tierschutz. Damit sind wir auch gleich schon dabei: Wenn man Auszeichnungen von Parteien entgegennimmt, muss man immer aufpassen, dass man sich nicht instrumentalisieren und vor irgendwelche Karren spannen lässt. Deswegen mache ich auch immer ganz klar, dass ich überparteilich aktiv bin. Ich habe auch schon von der ÖDP eine Goldene Schwalbe entgegengenommen. Ich mache das (...) zwar als Antje Grothus, aber im Namen all derer, die mit mir hier unterwegs sind, also diese Rote-Linie-Gemeinschaften bilden, ein Michael Zobel, die Menschen, die auf den Bäumen leben, die in Bürgerinitiativen aktiv sind. Das hilft dabei, das Thema immer wieder zu setzen und auch vielleicht immer neue Bevölkerungskreise dafür zu sensibilisieren, was gerade mit unserem Planeten auch durch die Kohleverstromung passiert.

DC: Letzte Frage: Wenn Du jetzt die ganzen jungen Menschen auf die Straße gehen siehst, Fridays for Future und Ende Gelände, was löst das in Dir aus und welchen Rat kannst Du diesen jungen Menschen mitgeben?

AG: Beginnen wir erstmal mit den Fridays for Future. Das ist unglaublich toll, dass die in der Zeit aktiv geworden sind, wo eigentlich die Endzeit der Kohlekommission war, und somit nochmal richtig Druck auf die Straße gebracht haben und das Thema nach wie vor oben halten. Ich bin unglaublich dankbar, dass es das gibt, dass es eine Greta gibt, die das Ganze auch irgendwie angestoßen hat, und die, die sich da einfach beispielhaft ein Vorbild genommen haben an der Person Greta Thunberg, die sich durch Beharrlichkeit und Beständigkeit im Tun auszeichnet. Das brauchen wir, um an dem Thema dranzubleiben. Ich habe aber schon bei einer Veranstaltung im Dezember gesagt, dass Fridays for Future sehr aufpassen muss, sich nicht instrumentalisieren zu lassen. Man sah bei den Demos auch häufiger mal Fahnen von anderen Organisationen und Parteien. Da habe ich immer gesagt, sie müssen aufpassen, weil diese Bewegung am allerbesten durch die Buntheit der Schüler lebt, durch die Anmut der selbstgemachten Schilder, und sie ist auch nur so authentisch.

(…) Ich kann nur den Rat geben, weiter so zu machen wie bisher, aber sie müssen alle auf sich aufpassen, insbesondere die, die auch in vorderster Front stehen. Wie eine Luisa Neubauer, die extrem, noch extremer als ich angefeindet werden, mit Greta auch, was ich einfach unglaublich finde. Ende Gelände habe ich 2015 noch als eine relativ junge Gruppierung empfunden, aber schon 2016 und 2017 und auch 2018 erlebt, dass Ende Gelände mittlerweile total generationenübergreifend ist. Sicherlich ist der Schwerpunkt immer noch bei sehr vielen jungen Leuten, aber wen ich da alles sehe. Ein schönes Beispiel ist, dass mich gerade in diesem Jahr jemand aus Bayern, schon an die 80, angerufen hat und gefragt hat, ob ich ihm nicht hier eine Unterkunft besorgen könnte, weil er jetzt langsam aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so gut im Zelt schlafen könnte. Er will aber unbedingt wieder bei Ende Gelände mitmachen und hat vom letzten Jahr erzählt, wo er mit auf den Schienen war. Das finde ich unglaublich, welche Bevölkerungsschichten und Generationen und Altersgruppen von Ende Gelände erreicht werden. Dass immer mehr Menschen bereit sind, zivilen Ungehorsam zu üben und sich zum Teil auch in gewisse Gefahr begeben, in den Auseinandersetzungen, und dann auch zum Teil mit der Polizei…

Ich habe auch mal gesagt (...), dass ich noch nie so richtig das Bedürfnis gespürt habe, eine gewisse Grenze zu überschreiten, außer vor ein paar Monaten, da gab es eine Straßenblockade-Aktion von den Menschen in den Garzweiler-Dörfern aufgrund einer Straße, die jetzt gebaut werden soll. Obwohl man sie wahrscheinlich gar nicht mehr braucht, will RWE die Straße jetzt schon bauen. Da war das erste Mal, dass ich gedacht habe, Mensch, eigentlich müsstest du dich auch dahin setzen, wenn jetzt schon die Menschen aus den Dörfern zivilen Ungehorsam üben, dann ist das doch ein Zeichen, da kann doch kein Politiker mehr vorbeigucken und muss doch sehen, hier läuft was falsch. (...) Das Nicht-Handeln oder das falsche Handeln unserer Politiker oder der Regierung führt meiner Meinung nach im Moment dazu, dass die Bürgerinnen und Bürger immer mehr radikalisiert werden. Und das sollte sich Politik einfach mal vor Augen führen, was sie für ein miserables Bild abgibt und wie sie die Bürger selber radikalisiert. Sie versucht immer, das anderen zuzuschreiben. Das sieht man zum Beispiel daran, dass die 50.000 Menschen der Hambi-Bleibt-Demo vom letzten Jahr, jetzt im Verfassungsbericht erwähnt werden. Da fasst man sich doch an den Kopf und denkt, was soll das denn! Das spaltet und radikalisiert die Bürger, nicht Aktivitäten von Bürgerinitiativen oder Umweltverbänden oder Menschen, die einen Baum besetzen, weil sie ihn retten wollen. 

I: Das ist ein sehr schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Interview!

 

Interview: Daniele Collette
Lektorat: Dr. Irmtrud Wojak
Fotos: ©Poträt Antje Grothus: PascalAmosRest (Abb. 1); Antje Grothus im Hambi: B. Schnell (Abb. 2, re.); Antje Grothus auf dem Fahrrad vor einer Menschenkette: Elmar Aretz (Abb. 3 und Header-Bild); Garzweiler II: Daniela Collette und Mike Fischer (Abb. 4 und 5); Antje Grothus und Brigitte Hoffmann-Heinen, "Alle Dörfer Bleiben" (Abb. 6). Wir danken Antje Grothus für die zur Verfügung gestellten Fotografien.

Kontakt: info@fritz-bauer-blog.de

Zitat: „Präventives vorausschauendes Handeln vermisse ich in der Politik total“, Interview mit Antje Grothus von Daniela Collette, in: Fritz Bauer Blog, 12. Januar 2020, URL: https://www.fritz-bauer-blog.de/de/startseite/antje-grothus.


Links und Infos

 

Webseite von Antje Grothus

 

Dokumentarfilm von Karin de Miguel Wessendorf DIE ROTE LINIE – WIDERSTAND IM HAMBACHER FORST  (5/2019)

https://www.thurnfilm.de/die-rote-linie

www.facebook.com/FilmDieRoteLinie

Link zum Teaser:  https://www.facebook.com/FilmDieRoteLinie/videos/1488455791288749/

 

WDR-Dokumentationen von Karin de Miguel-Wessendorf (2016/2017)

Teil I: „Klimaschützer gegen Stromriesen - Vom Widerstand im rheinischen Revier“ (Erstausstrahlung am 10. 11 2016)

https://www.planet-schule.de/sf/filme-online.php?film=10404&reihe=1512

http://www.thurnfilm.de/de_doku_braunkohle.php

 

Teil II: "Lasst die Kohle in der Erde! - Rote Linien für das Klima“  (Erstausstrahlung am 9.11.2017)

Trailer: https://www.facebook.com/karin.demiguelwessendorf/posts/10155913086156473

 

Auszeichnung als Klimaheldin durch CARE Deutschland/Luxemburg am 12. November 2017

http://blog.care.de/deutschland-antje-gegen-goliath/

https://www.care.de/fileadmin/user_upload/Presse/Publikationen/care-klimaheldinnen-broschuere-final.pdf

 

Video WHAT REMAINS (Sommer 2018) 

https://www.facebook.com/CAREDL/videos/443572686049633/?v=443572686049633

 

Petition von Antje Grothus

https://weact.campact.de/petitions/hambacher-wald-retten-klimaziele-realisieren-https://blog.campact.de/2017/02/diese-frau-will-den-hambacher-wald-retten-und-legt-sich-mit-rwe-an/

 

Gala „Menschen 2017“, Medienhaus Zeitungsverlag Aachen

http://www.aachener-zeitung.de/zva/werbebeilagen/menschen-2017-171230/15/

http://www.aachener-nachrichten.de/dossier/menschen/menschen-2017-eine-echte-herzensangelegenheit-1.1800721

Video ab min 2.18

 

Veröffentlichungen

https://www.robinwood.de/sites/default/files/134-i-22-25-ene-rote-mitrl-neu.pdf

http://www.klimaretter.info/meinungen/standpunkte/23377-rote-linien-gegen-kohle