Liao Yiwu

Für die Freiheit der Anderen kämpfen

Liao Yiwu

Für die Freiheit der Anderen kämpfen


Ein Gespräch zum Erscheinen des neuen Buches des Friedenspreisträgers mit bislang unveröffentlichten Texten


Liao Yiwu, geboren in der chinesischen Provinz Sichuan, dessen Vater als Gegner der Kulturrevolution angeklagt wurde, wuchs in großer Armut bei seiner Mutter auf. 1989, als er sein berühmt gewordenes Gedicht "Massaker" während der brutalen Niederschlagung der von Studierenden ausgegangen Proteste auf dem Tian'anmen Platz schrieb, war Liao Yiwo längst ein bekannter Schriftsteller und Lyriker, allerdings stand seine Dichtung in China auf der "Schwarzen Liste". Das Gedicht "Massaker" führte zwei Jahre nach seiner weltweiten Verbreitung zu einer vierjährigen Haftstrafe, die der Schriftsteller nur knapp überlebte. Als er 2007 mit dem Freedom to Write Award des Unabhängigen Chinesischen P.E.N.-Zentrums ausgezeichnet wurde, verhinderte die chinesische Regierung diese Anerkennung. Jahrelang konnte der Dichter nicht ausreisen, sein 2009 erschienes Buch Fräulein Hallo und der Bauernkaiser - Chinas Gesellschaft von unten war in seinem Land verboten. Erst nachdem 2011 sein Buch Für ein Lied und hundert Lieder erschienen war, Liao Yiwus schonungsloser Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen, gelang ihm die rettende Flucht nach Deutschland.

Hier ist jetzt auch sein neues Buch, Herr Wang, der Mann, der vor den Panzern stand: Texte aus der chinesischen Wirklichkeit, im S. Fischer Verlag mit bislang unveröffentlichten Texten erschienen. Die Titelgeschiche gilt dem Unbekannten, der sich 1989 vor die anrollenden Panzer stellte und damit das Massaker für einen kurzen historischen Moment aufhielt. Bis heute wurde nicht aufgeklärt, wieviele Menschen bei dem Massaker rund um den Platz des Himmlischen Friedens erschossen wurden. In seinem Buch Die Kugel und das Opium veröffentlichte Liao Yiwu 2012 eine Liste der "Mütter des Tian'anmen Platz" mit den Namen und Kurzbiographien von 202 Todesopfern, darunter viele Kinder und Jugendliche.

Wir veröffentlichen zum Erscheinen des neuen Buches von Liao Yiwu ein Gespräch, dass die Historikerin Irmtrud Wojak im Juni in Murnau am Staffelsee mit dem Schriftsteller anlässlich der Aufführung seines Gedichts "Massaker" führte. 

Unser Dank gilt dem Kämpfer für des Menschen Rechte und seit 2012 Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, Liao Yiwu, sowie Stefanie Speermann (Speermann Arts) für ihre Gastfreundschaft und Stephan Knies (Hamburg) für seine besondere Unterstützung unserer Gesprächs und unserer Filmaufnahmen von der einzigen Aufführung des Gedichts "Massaker" 2019 in Deutschland im Garten von Speermann Arts in Murnau am Staffelsee. Wir durften die Aufführung in der wunderbaren Umgebung der Berge filmen, deren Schönheit Liao Yiwu für die Aufführung ausgesucht hat und die an diesem Tag nichts zu wünschen übrig ließ. Die Filmaufnahme der Aufführung wird in Kürze auf dem Fritz Bauer Blog abrufbar sein. (Red.)

 

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