05.09.2016

Humanistischer Pressedienst

„Humaner Strafvollzug setzt stärkere Rechte für Inhaftierte voraus“, unter dieser Überschrift meldet der Humanistische Pressedienst die Verleihung des Fritz Bauer Preises 2016: „Die Humanistische Union verleiht ihren diesjährigen Fritz-Bauer-Preis an die Gefangenen-Gewerkschaft / Bundesweite Organisation. Sie würdigt damit deren Bemühungen um angemessene Standards der Gefangenenarbeit. Die Organisation setzt sich für die Anwendung des gesetzlichen Mindestlohns auf arbeitende Gefangene, für deren Teilnahme an der gesetzlichen Sozialversicherung und die volle Gewerkschaftsfreiheit für Gefangene ein.

Die Gefangenen-Gewerkschaft wurde im Mai 2014 gegründet. Gegen große Widerstände in den Justizvollzugsanstalten versuchen die Initiatoren, die kollektiven Arbeitnehmerrechte der derzeit ca. 45.000 inhaftierten Beschäftigten in Deutschland zu stärken.“

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24.08.2016

Prof. Dr. Erardo C. Rautenberg 

Prof. Dr. Erardo C. Rautenberg
Prof. Dr. Erardo C. Rautenberg

Soeben ist in der Neuen Justiz ein Aufsatz von Generalstaatsanwalt Prof. Dr. Erardo C. Rautenberg erschienen, der Dr. Fritz Bauers bedeutendstes Werk Das Verbrechen und die Gesellschaft zum Gegenstand hat und hoffentlich einen Anstoß zu einer Gesamtausgabe seiner Schriften gibt.

Im aktuellen SPIEGEL (Nr. 34/20. August 2016, S. 104 ) ist zwar von Forschungsergebnissen die Rede, die die Willensfreiheit zu belegen scheinen (siehe auch Nr. 15/9. April 2016, S. 95). Doch das ist eine Einzelstimme, die den referierten Forschungsergebnissen gegenübersteht, die Bauers Kritik an unserem auf der Willensfreiheit fußenden Strafrecht stützen.

Die Frage nach der Willensfreiheit und den äußeren Umständen als Einflussfaktoren für die Radikalisierung einzelner Personen oder auch ganzer Gesellschaften ist akut. Nur zu wünschen ist, dass Fritz Bauers humanes Denken und Handeln in der aktuellen Diskussion mehr Beachtung findet. Er suchte nach Erklärungen für unrechtes Handeln und fand sie in der Stärke und zugleich Schwäche von uns Menschen. Ein Schuld- und Sühnestrafrecht kann dieser Realität nicht beikommen, im Gegenteil. Wie sagte Fritz Bauer noch: „Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber wir können dazu beitragen, das sie nicht zur Hölle wird.“ Dafür nannte er zahlreiche geschichtliche Beispiele. (I. Wojak)

Artikel von Erardo C. Rautenberg...

12.08.2016

AND THE CRIMINAL PROSECUTION OF NAZI CRIMES

Prof. Dr. Erardo Cristoforo Rautenberg

Ausstellungskatalog

„In 2015 his media profile was higher than at any time previously. The contributions of Fritz Bauer to Germany’s confrontation with the darkest chapter in its history and to the democratization of the young Federal Republic of Germany are only now getting the recognition they deserve.“

Zur Eröffnung der neuen permanenten Ausstellung über die NS-Täter, die in der Gedenkstätte des KZ Sachsenhausen gezeigt wird, hielt der Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg, Prof. Dr. Erardo Rautenberg, einen Vortrag über „Dr. Fritz Bauer und die Strafverfolgung der Nazi-Verbrechen“, der auch in englischer Übersetzung erschienen ist. Der Beitrag wurde soeben in der Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Band 53, veröffentlicht. Der Ausstellungskatalog über die Konzentrationslager SS 1933-1945 (The concentration camp SS 1936–1945: Excess and direct perpetrators in Sachsenhausen concentration camp. An exhibition at the historical site) ist im Metropol-Verlag in Berlin erschienen und hat 304 Seiten.

PDF des Beitrags...

Zum Katalog beim Metropol-Verlag...

10.08.2016

Rezension
Irmtrud Wojak

Wolfgang Kaleck
Wolfgang Kaleck

Immer wieder ist es die Unterstellung eines „eher politisch-taktischen Verhältnisses zum Recht“ (Christian Hillgruber, FAZ, 22.12.2015), die gegen diejenigen ins Feld geführt wird, die sich für die Menschenrechte engagieren, ganz gleich in welcher Zunft. Der Jurist Wolfgang Kaleck findet sich dabei in hervorragender Gesellschaft. Auch den Anwalt und Kämpfer für die Menschenrechte Dr. Fritz M. Bauer (1903-1968) treffen bis heute solche Spitzen. Dabei war er genauso wenig „von Anfang an links sozialisiert“ wie Kaleck, von dem Hillgruber dies behauptet. Bauer stammte aus gutbürgerlichem Haus in Stuttgart und musste nach KZ-Haft vor den Nazis fliehen, Kalecks Familie arbeitete sich in München in kleinbürgerlichen Verhältnissen hoch, die Mutter stammte aus Siebenbürgen, der Vater musste als Kind mit seiner Mutter und zwei Geschwistern aus dem damaligen Königsberg vor der Roten Armee fliehen und „geriet dabei immer zwischen die wechselnden Frontverläufe“ (26 f.).

06.08.2016

Rezension
Irmtrud Wojak

Thomas Galli
Thomas Galli

Der hessische Generalsstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer sagte einmal, die Schuldstrafe stamme „aus der Affenzeit“ (DER SPIEGEL, Nr. 25, 1964). Sein Plädoyer lautete, das Gute im Menschen müsse freigeschaufelt werden und es müssten ihm Bedingungen geschaffen werden, zu wachsen.

Sowenig Fritz Bauers Kritik an den Entwürfen zur Strafrechtsreform an Aktualität verloren hat, so aktuell ist das Buch des Gefängnisleiters und Psychologen Thomas Galli Die Schwere der Schuld, das im Verlag „Das neue Berlin“ erschienen ist. Es versammelt neun Geschichten über Schwer- und Schwerstverbrecher, neun von rund 62.000 Geschichten von Menschen, die in Deutschland hinter Gittern leben müssen. Die Wenigsten gehören zur Gruppe der Schwerverbrecher und das ist einer der Gründe, die den Rechtswissenschaftler, der auf fünfzehn Jahre praktische Erfahrung in Haftanstalten zurückblicken kann, zu der Frage führten, in welchen Fällen jahre- und jahrzehntelange Haftstrafen hinter Gittern eigentlich gut sind.