08.11.2016

Zur Neuausgabe eines Textes aus dem Jahr 1960

Kurt Nelhiebel

K. Nelhiebel © M. HermannFritz Bauer ist seit langem tot aber - salopp ausgedrückt - nicht totzukriegen oder besser gesagt totzuschweigen. Drei Spielfilme wurden in jüngster Zeit über ihn gedreht, in denen der wahre, der politische Fritz Bauer keine Rolle spielt. Gleichwohl haben sie das Interesse an diesem außergewöhnlichen Menschen geweckt. Viele wollen mehr über den Mann erfahren, dem die Würde des Menschen über alles ging, der sich in Liebe zu seinen Mitmenschen verzehrte und trotzdem nicht so recht heimisch werden konnte in Deutschland, das den von den Nazis Vertriebenen nur widerstrebend wieder aufnahm, als er aus dem Exil zurückkehrte, um beim Aufbau einer demokratischen Gesellschaft zu helfen. Entzündet hatte sich die alte Feindschaft eines Teils seiner Landsleute unter anderem an einem Vortrag, den Fritz Bauer als hessischer Generalstaatsanwalt 1960 auf Einladung des Landesjugendringes von Rheinland-Pfalz über „Die Wurzeln faschistischen und nationalsozialistischen Handelns“ gehalten hat. Er beklagte darin Untertanengeist und mangelnde Zivilcourage gegenüber der Obrigkeit. Sein Fazit: „Die Frage nach den Wurzeln des Nazismus ist daher auch immer die Frage nach der Empfänglichkeit breitester Schichten für seinen Ungeist und nach der Bereitschaft vieler, ja allzu vieler Menschen zur Komplizenschaft“.

19.10.2016

Tailfingen: Irmtrud Wojak rückt das öffentliche Bild Fritz Bauers gerade

Nadine Dürr

 "Es hätte ein kenntnisreiches Referat über Leben und Wirken eines so bemerkenswerten wie integren Juristen werden können. Irmtrud Wojak, Biografin Fritz Bauers, ging in ihrem Vortrag in der KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen jedoch weit über biografische Details hinaus und widmete sich vorrangig dem Imperativ, der sich aus Bauers Geisteshaltung und Handeln für Geschichtswissenschaft, Pädagogik und Gedenkkultur ableiten lässt. ..."

Bericht anlässlich eines Besuches der Fritz Bauer - Biographin in der KZ-Gedenkstätte Tailfingen-Gäufelden, erschienen im Gäuboten am 19. Oktober 2016.

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15.10.2016

Rezension

Irmtrud Wojak

Merle Funkenberg ist Erziehungswissenschaftlerin und freiberufliche Referentin in der außerschulischen Bildungsarbeit. Sie hat mit ihrer Studie über „Zivilgesellschaftliches Engagement und Begegnung mit KZ-Überlebenden“ – so lautete ursprünglich der Untertitel ihrer Dissertation – die erste Studie über die Zeugenbetreuung in NS-Prozessen von den 1950er bis in die 1980er Jahre verfasst und dabei auch den politischen Hintergrund ausgeleuchtet. Ihre Arbeit ist zugleich eine Studie über den Umgang mit den Opfern und Überlebenden der NS-Herrschaft in der deutschen Bevölkerung und speziell der Justiz dieser Zeit.

Als Quellengrundlage dienten für die Studie neben wenigen vorhandenen schriftlichen Quellen, unter denen vor allem die „Berichte zur Zeugenbetreuung“ hervorzuheben sind, die als eine Art Handreichung für neue Betreuerkreise erstellt wurden, 18 lebensgeschichtliche Interviews. Darüber hinaus wertete die Autorin Interviews mit Holocaust-Überlebenden aus, die in NS-Prozessen aussagten und die ihren „Zugang durch die Perspektive der Opferzeugen“ erweitern sollen.

Merle Funkenberg, Zeugenbetreuung von Holocaust-Überlebenden und Widerstandskämpfern bei NS-Prozessen (1964-1985). Zeitgeschichtlicher Hintergrund und emotionales Erleben. Gießen: Psychosozial-Verlag 2016, ISBN 978-3-8379-2551-7.

Weiterlesen im fachbuchjournal, Jg. 8 (2016), Nr. 5, S. 57f.

14.10.2016

ROSENBURG“-STUDIE DES BUNDESJUSTIZMINISTERIUMS ÜBER DIE EIGENE GESCHICHTE

„Wo bleibt die Erwähnung des wunderbaren Fritz Bauer, der schon in den 60er Jahren dafür gekämpft hat, dass seine Kollegen zur Verantwortung gezogen werden?“, heißt es in einem Kommentar auf „Bronski“-Blog, das Blog der Frankfurter Rundschau, über die Meldungen zum Erscheinen der Studie über die (Alt-)Nazis im Bundesjustizministerium.

"Wir wussten es schon lange“, beginnt der FR-Blog-Eintrag . In der Tat, dass der Bruch zwischen NS-Regime und Bundesrepublik Deutschland misslang, weil die Entnazifizierung nicht nur dem Kalten Krieg, sondern speziell dem Ahndungsunwillen der deutschen Polizeibehörden und Justiz zum Opfer fiel, die nicht gerade eine „nazifreie Zone“ war, ist keine besonders neue Erkenntnis. In dem Zusammenhang fordert Rasmus Ph. Helt aus Hamburg in seinem Kommentar, Fritz Bauer sollte zum Pflichtthema der Beamtenausbildung werden.

Weiterlesen über die „Rosenburg“-Studie und den Kommentaren dazu...

08.10.2016

tagesschau 24, 9. Oktober 2016

Zur besten Sendezeit zeigt „tagesschau 24“ am 2. Oktober, 20:15, den Film FRITZ BAUER - TOD AUF RATEN von Ilona Ziok (CV Film Berlin). Auf der Webseite heißt es dazu: "Wir Emigranten hatten so unsere heiligen Irrtümer. Dass Deutschland in Trümmern liegt, hat auch sein Gutes, dachten wir. Da kommt der Schutt weg, dann bauen wir Städte der Zukunft. Hell, weit und menschenfreundlich." Diese Sätze, die Fritz Bauer (1903 - 1968) 1967 gegenüber dem Schriftsteller Gerhard Zwerenz äußerte, beschreiben den Enthusiasmus, mit dem der schwäbische Jurist das Nachkriegsdeutschland aus den Fängen der Nazidiktatur in ein demokratisches und humanes Staatswesen überführen wollte. Nicht nur die Politik, vor allem auch die Jurisprudenz sollte hierzu ihren Beitrag leisten.

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Siehe dazu Alexander Martin Pfleger im Frankfurter "Weltexpresso"...