24.08.2016

Prof. Dr. Erardo C. Rautenberg 

Prof. Dr. Erardo C. Rautenberg
Prof. Dr. Erardo C. Rautenberg

Soeben ist in der Neuen Justiz ein Aufsatz von Generalstaatsanwalt Prof. Dr. Erardo C. Rautenberg erschienen, der Dr. Fritz Bauers bedeutendstes Werk Das Verbrechen und die Gesellschaft zum Gegenstand hat und hoffentlich einen Anstoß zu einer Gesamtausgabe seiner Schriften gibt.

Im aktuellen SPIEGEL (Nr. 34/20. August 2016, S. 104 ) ist zwar von Forschungsergebnissen die Rede, die die Willensfreiheit zu belegen scheinen (siehe auch Nr. 15/9. April 2016, S. 95). Doch das ist eine Einzelstimme, die den referierten Forschungsergebnissen gegenübersteht, die Bauers Kritik an unserem auf der Willensfreiheit fußenden Strafrecht stützen.

Die Frage nach der Willensfreiheit und den äußeren Umständen als Einflussfaktoren für die Radikalisierung einzelner Personen oder auch ganzer Gesellschaften ist akut. Nur zu wünschen ist, dass Fritz Bauers humanes Denken und Handeln in der aktuellen Diskussion mehr Beachtung findet. Er suchte nach Erklärungen für unrechtes Handeln und fand sie in der Stärke und zugleich Schwäche von uns Menschen. Ein Schuld- und Sühnestrafrecht kann dieser Realität nicht beikommen, im Gegenteil. Wie sagte Fritz Bauer noch: „Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber wir können dazu beitragen, das sie nicht zur Hölle wird.“ Dafür nannte er zahlreiche geschichtliche Beispiele. (I. Wojak)

Artikel von Erardo C. Rautenberg...

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12.08.2016

AND THE CRIMINAL PROSECUTION OF NAZI CRIMES

Prof. Dr. Erardo Cristoforo Rautenberg

Ausstellungskatalog

„In 2015 his media profile was higher than at any time previously. The contributions of Fritz Bauer to Germany’s confrontation with the darkest chapter in its history and to the democratization of the young Federal Republic of Germany are only now getting the recognition they deserve.“

Zur Eröffnung der neuen permanenten Ausstellung über die NS-Täter, die in der Gedenkstätte des KZ Sachsenhausen gezeigt wird, hielt der Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg, Prof. Dr. Erardo Rautenberg, einen Vortrag über „Dr. Fritz Bauer und die Strafverfolgung der Nazi-Verbrechen“, der auch in englischer Übersetzung erschienen ist. Der Beitrag wurde soeben in der Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Band 53, veröffentlicht. Der Ausstellungskatalog über die Konzentrationslager SS 1933-1945 (The concentration camp SS 1936–1945: Excess and direct perpetrators in Sachsenhausen concentration camp. An exhibition at the historical site) ist im Metropol-Verlag in Berlin erschienen und hat 304 Seiten.

PDF des Beitrags...

Zum Katalog beim Metropol-Verlag...

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10.08.2016

Rezension
Irmtrud Wojak

Wolfgang Kaleck
Wolfgang Kaleck

Immer wieder ist es die Unterstellung eines „eher politisch-taktischen Verhältnisses zum Recht“ (Christian Hillgruber, FAZ, 22.12.2015), die gegen diejenigen ins Feld geführt wird, die sich für die Menschenrechte engagieren, ganz gleich in welcher Zunft. Der Jurist Wolfgang Kaleck findet sich dabei in hervorragender Gesellschaft. Auch den Anwalt und Kämpfer für die Menschenrechte Dr. Fritz M. Bauer (1903-1968) treffen bis heute solche Spitzen. Dabei war er genauso wenig „von Anfang an links sozialisiert“ wie Kaleck, von dem Hillgruber dies behauptet. Bauer stammte aus gutbürgerlichem Haus in Stuttgart und musste nach KZ-Haft vor den Nazis fliehen, Kalecks Familie arbeitete sich in München in kleinbürgerlichen Verhältnissen hoch, die Mutter stammte aus Siebenbürgen, der Vater musste als Kind mit seiner Mutter und zwei Geschwistern aus dem damaligen Königsberg vor der Roten Armee fliehen und „geriet dabei immer zwischen die wechselnden Frontverläufe“ (26 f.).

06.08.2016

Rezension
Irmtrud Wojak

Thomas Galli
Thomas Galli

Der hessische Generalsstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer sagte einmal, die Schuldstrafe stamme „aus der Affenzeit“ (DER SPIEGEL, Nr. 25, 1964). Sein Plädoyer lautete, das Gute im Menschen müsse freigeschaufelt werden und es müssten ihm Bedingungen geschaffen werden, zu wachsen.

Sowenig Fritz Bauers Kritik an den Entwürfen zur Strafrechtsreform an Aktualität verloren hat, so aktuell ist das Buch des Gefängnisleiters und Psychologen Thomas Galli Die Schwere der Schuld, das im Verlag „Das neue Berlin“ erschienen ist. Es versammelt neun Geschichten über Schwer- und Schwerstverbrecher, neun von rund 62.000 Geschichten von Menschen, die in Deutschland hinter Gittern leben müssen. Die Wenigsten gehören zur Gruppe der Schwerverbrecher und das ist einer der Gründe, die den Rechtswissenschaftler, der auf fünfzehn Jahre praktische Erfahrung in Haftanstalten zurückblicken kann, zu der Frage führten, in welchen Fällen jahre- und jahrzehntelange Haftstrafen hinter Gittern eigentlich gut sind.

14.08.2015

Radcliffe Magazine
Harvard University, Cambridge, MA (USA)

Fritz Bauer Biographin und Historikerin Dr. Irmtrud Wojak hat die Ergebnisse ihres Forschungsprojekts über die Geschichte der Entnazifizierung mit einem Vortrag am Radcliffe Institute der Harvard University präsentiert. Für das Forschungsjahr 2014/15 war sie mit einem Stipendium an dem renommierten Institut ausgezeichnet worden. Jetzt berichtet das Radcliffe Magazine über Wojaks Projekt. Sie verfasste ein Buch über die Geschichte der andauernden Sisyphusarbeit der Entnazifizierung - ausgehend vom Werk und den Zielen des Juristen Dr. Fritz Bauer. Gleichzeitig entstand ein interaktives Webportal, das die Geschichten von Menschen erzählt, die sich dem Unrecht nicht beugten und anderen Menschen halfen - Überlebensgeschichten vor und nach 1945.

Hier geht es zum Artikel von Pat Harrison...

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10.08.2015

Presseerklärung zum 50. Jahrestag des Urteils im Auschwitz-Prozess20. August 2015

 

Angeklagte im Auschwitz-Prozess
Angeklagte im Auschwitz-Prozess
© Picture Alliance

Vorankündigung und Vorveröffentlichung des Forschungsjournals Soziale Bewegungen - erscheint im Dezember 2015 Verlag Lucius & Lucius, Stuttgart, Sonderschwerpunkt Heft 4, mit Beiträgen unter anderem von:

Herta Däubler-Gmelin, Hartmut Hanauske, Stephan Jaeger, Werner Koep-Kerstin, Daniel Kothenschulte, Dietrich Kuhlbrodt, Heiko Maas, Kurt Nelhiebel, Erardo C. Rautenberg, Thomas Walther, Stephan Weil, Rebecca Wittman, Irmtrud Wojak, Nobert Wolf

Vorab veröffentlicht werden hier der Beitrag von Kurt Nelhiebel („Offizielles Gedenken und politische Wirklichkeit“) sowie der 1964 erschienene Beitrag von Fritz Bauer („Nach den Wurzeln des Bösen fragen“). 

Zu den Texten von Kurt Nelhiebel und Fritz Bauer...

 

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07.08.2015

Rezension

Dorothea Liew

Die Zeitschrift German Film Quarterly kündigte den neuen Film über Fritz Bauer an, den zweiten, nachdem die Demontage des Juristen von seinem Amtskollegen Erardo C. Rautenberg publik gemacht wurde (Direktor: Lars Kraume, Produzent: Thomas Kufus, Fritz Bauer-Darsteller: Burghart Klaussner, 105 Minuten).

Der Film bedient alte Muster. Bauer soll fanatisch Eichmann gejagt haben. Ob er die Jagd nicht möge, fragen sie ihn im Film und er antwortet: „Doch, aber keine Tiere.“ Auch die Socken-Story des Journalisten Ronen Steinke, bei dem Bauer schon mal ein „Hosenbein hochrutschen und eine helle Socke mit etwas Männerbein aufblitzen lässt“, wird aufgefrischt. Im Film trägt der zerknitterte und viel zu alt wirkende Generalstaatsanwalt allerdings dunkle Socken. Es ist sein Lieblingsstaatsanwalt, der karierte Socken trägt und dem der gebeutelte General kurz darauf zur Entsagung rät. Jeder hat halt so seine Ideen, woran sich ein Homosexueller erkennen lässt. Dass soll nämlich suggeriert werden, dass Bauer schwul war und ein Privatleben hatte, wo Verbotenes geschah, jedenfalls damals. Dazu passt, dass der Sozialdemokrat auch noch seine eigenen Genossen verraten und sich den Nazis, wie er selber im Film sagt "unterworfen" haben soll - was er später natürlich bitter bereut. Kann man sich mehr wünschen? Fritz Bauer als sich rächender Jude, heimlicher Homosexueller und Genossen-Verräter?

"Man" könnte durchaus... einen Film über Fritz Bauer!

Siehe auch die Rezension in Hollywoodreporter: „But what’s much worse is the fictionalized take on Bauer’s private life, with Kraume actually embarrassing himself with an entirely unconvincing subplot involving the attorney’s alleged homosexuality that’s handled in a way that suggests all gay men recognize each other by their fancy socks (yes, really).“

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14.08.2014

"Es passiert nicht alle Tage, dass sich ein Rezensent lobend über ein Buch äußert, an dessen Zustandekommen er maßgeblich beteiligt war. Da runzelt jeder die Stirn, weil das nach Eigenlob riecht. Andererseits hat Eigenlob den Vorteil, meint der englische Satiriker Samuel Butler der Ältere, dass man dick und genau an der richtigen Stelle auftragen kann. Vielleicht meinte das auch der Archivar des Fritz Bauer Instituts, Werner Renz, als er für die Nassauischen Annalen (Band 125, 2014) eine Lobeshymne über die Fritz Bauer Biographie von Ronen Steinke verfasste. Die Danksagung seines gelehrigen Schülers ließ er in aller Bescheidenheit unter den Tisch fallen...."
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