30.11.2015

Rezension

Irmtrud Wojak

„(…) Dass Lars Kraume die Entführung Eichmanns als Hauptmotiv wählte, mag unter anderem daran liegen, dass der Auschwitz-Prozess, mit dem der Name Bauer am ehesten verknüpft wird, erst vor kurzem zum Thema eines Spielfilms über die Schwierigkeiten deutscher „Vergangenheitsbewältigung“ wurde. Kraumes Film ist, was den historischen Hintergrund betrifft, um Genauigkeit bemüht. Längere Sequenzen sind in Israel gedreht, um Bauers Kontakte mit dem dortigen Geheimdienst und den Justizbehörden zu veranschaulichen. Die Persönlichkeit Eichmanns wird ausgeleuchtet, Ausschnitte aus dem Interview präsentiert, das der Antisemit in den 1950er Jahren dem holländischen SS-Mann Wilhelm Sassen in Argentinien gab. (…)

Umso unbegreiflicher ist, dass der Spielfilm die wirklichkeitsnahe Genauigkeit, die den Plot spannend macht, nicht beibehält, sondern die Hauptfigur neu erfindet und der Regisseur sich am Ende dankend auf zwei Ratgeber aus dem nach Bauer benannten Institut in Frankfurt/Main bezieht. Kraume kreiert seinen Protagonisten als gebrochenen Typ wie aus einem Tatortkrimi. Er verzeichnet Bauer als vom Schicksal Getriebenen, der sich – damit beginnt der Film – mit Alkohol und Schlaftabletten betäubt und dabei fast in der Badewanne ertrinkt. …"

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Die Rezension erschien im fachbuchjournal, Dezember 2015

18.11.2015

Isabel Mardones Rosa

Im Kino und im deutschen Fernsehen gibt es mehrere Filme über den Generalstaatsanwalt Fritz Bauer. Die Biographin Bauers, Irmtrud Wojak, analysiert, welche dieser Titel der historischen Realität näherkommen und wieso genau jetzt das Interesse an seiner Figur wächst.“

Isabel Mardones Rosa, Leiterin der Cinemateca des Goethe-Instituts Chile, die im Jahr 2004 den Critics Award für die Verbreitung des deutschen Kinos in Chile erhalten hat, interviewte die Historikerin und Fritz Bauer-Biographin Irmtrud Wojak. Isabel Mardones ist mit Monica Villarroel Autorin des Buches Zeichen gegen das Vergessen. Das wiedergefundene Kino Chiles, das 2012 im Verlag Cuarto Propio erschienen ist.

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19.11.2014

Fritz Bauer, herausragender Jurist und Sozialdemokrat in schwerer Zeit

Herta Däubler-Gmelin (Bundesministerin der Justiz a D.)

"Vielen Dank für die Einladung an mich, Ihnen heute diesen herausragenden Juristen und mutigen Sozialdemokraten vorstellen zu dürfen.

Ich tue das mit besonderer Freude, weil Fritz Bauer seit meiner Studienzeit in den 60ger Jahren hier an der Freien Universität Berlin zu den Lichtgestalten unter den Juristen gehörte, an denen wir aufmüpfigen Jura-Studierenden uns orientieren konnten, viele gab es damals ja nicht. Ich weiß nicht, wer Ihnen noch einfällt, mir stehen weitere Persönlichkeiten wie Richard Schmid oder Adolf Arndt vor Augen, aber Fritz Bauer ragt auch unter ihnen nochmals deutlich hervor...."

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13.11.2014

 

Prof. Dr. Erardo C. Rautenberg
Prof. Dr. Erardo C. Rautenberg

"Er brachte das Verbrechen von Auschwitz fast im Alleingang vor Gericht. Zu sagen, Fritz Bauer sei der bisher bedeutendste Generalstaatsanwalt der Bundesrepublik gewesen, würde nur einen vagen Eindruck von seiner Größe vermitteln. Trotzdem oder gerade deshalb sorgt Bauer immer noch für Irritation. Er wird, spätestens seit dem 50. Jahrestag der Auschwitz-Prozesse im vergangenen Jahr, von vielen Seiten gelobt, gewiss. Gerade, am 15. Oktober, hat ihn der Bundesjustizminister durch die Stiftung eines nach ihm benannten Studienpreises gewürdigt, der Spielfilm Im Labyrinth des Schweigens ehrt sein Wirken zurzeit im Kino. Aber gelegentlich mischt sich unter das allgemeine Lob eine kleinliche Lust, dem Mann etwas anzuhängen. Das ärgerlichste Beispiel ist die Bauer-Biografie von Ronen Steinke, einem Journalisten der Süd­deutschen Zeitung. Pünktlich zum Jahrestag der Auschwitz-Prozesse im Dezember 2013 erschienen, liefert sie geradezu ein Zerrbild von Fritz Bauer. Steinke unterstellt ihm in mehrfacher Hinsicht zu Unrecht, opportunistisch gehandelt zu haben. ..."

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08.11.2014

Filmpremiere in Frankfurt am Main.Der Film von Giulio Ricciarelli (123 Min.) spielt in der BRD gegen Ende der 1950er Jahre. Im Zentrum stehen der Journalist Thomas Gnielka (André Szymanski) und seine Bemühungen im Kampf gegen das Vergessen.

Thomas Gnielka übergibt Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer (gespielt von dem verstorbenen Schauspieler Gert Voss) die entscheidenen Dokumente, die es dem Frankfurter Generalstaatsanwalt ermöglichen, beim Bundesgerichtshof die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft am Oberlandesgericht Frankfurt am Main für alle in Auschwitz begangenen Verbrechen zu beantragen. Fritz Bauer wird in dem Film, der vom "Fritz Bauer Institut. Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust" beraten wurde, eine Nebenrolle zugewiesen.

Näheres ist in einer in der Frankfurter Rundschau erschienenen Rezension von Daniel Kothenschulte nachzulesen...

Eine Rezension im Spiegel (45/2014) von Thomas Hüterin, "Aufklärer des Grauens", würdigt anders als der Film vor allem die Rolle Bauers bei der Aufklärung der NS-Verbrechen.

 

 

01.11.2014

Kurt Nelhiebel

Über den Umgang mit Fritz Bauer, der Auschwitz vor Gericht brachte

Kurt Nelhiebel
Kurt Nelhiebel

"Es war Volker Hauff, ein Mann aus der schwäbischen Heimat Fritz Bauers, der 1989 als sozialdemokratischer Oberbürgermeister von Frankfurt am Main die Idee hatte, ein wissenschaftliches Institut zur Erforschung des Holocaust ins Leben zu rufen und nach seinem Landsmann zu benennen. Gegründet wurde das Institut 1995. Nach eigener Aussage fühlt es sich dem Andenken des hessischen Generalstaatsanwalts und Initiators des Auschwitz-Prozesses, Fritz Bauer, verpflichtet...."
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